Die letzten Tage in Kolumbien (29.04. – 17.05.14)

Die einzige Alternative für die Verschiffung unseres WoMos ist auf einem Container. Wir beauftragen einen Hafenagenten nach dem nächstmöglichen Termin zu suchen, auch wenn mir die Vorstellung – gute zwei Wochen frische Salzwasserluft auf hoher See – für unser Auto nicht gefällt. Aber in einen Container passen „wir“ leider nicht hinein. Das bevorstehende lange Maiwochenende beschleunigt die Arbeit hier nicht gerade. Wir werden wieder auf Montag vertröstet.

Wir unternehmen kleine Touren in die Umgebung, kämpfen erfolgreich mit unserem Kühlschrank, der ausgerechnet bei dieser Hitze versucht zu streiken – und warten. Ab und zu mischen wir uns im klimatisierten Einkaufszentrum unters Volk. Dort bietet sich uns ein weites Beobachtungsfeld, insbesondere in der (Fr)Essmeile. Das Hähnchen wird hier mit Einweghandschuhen gegessen; ein seltsamer Anblick. Die Absätze der Highheels sehen aus wie kleine Wolkenkratzer, Fußnägel sind mindestens dreifarbig lackiert oder mit Blümchen verziert und die Kleider sind so eng, dass die karibische Figur an jeder Stelle voll zur Geltung kommt. Und das Handy ist allgegenwärtig – beim Einkaufen, Essen, … , bei allem. Am auffälligsten allerdings ist die zwar laute, aber überall anzutreffende Fröhlichkeit.

Dann endlich eine positive Nachricht, auch wenn es zeitlich nicht das ist, worauf wir gehofft hatten: ein Platz auf einem Containerschiff direkt nach Hamburg am 15. Mai.

Jetzt können wir endlich planen und das Auto für die Reise richten. Und Millionen sammeln am Geldautomat. Denn die Verschiffung müssen wir bar bezahlen. Ein irrsinniges Geschäftsgebaren.

Die Nächte verbringen wir wieder am See neben dem Hilton Hotel. Hier fühlen wir uns fast wie zuhause. Der Kajakvermieter begrüßt uns wie alte Bekannte, abends weht eine angenehme Brise und der Weltempfänger spielt karibische Musik. Im Stadtteil Getsemani suchen wir uns ein kleines Hotel für die Tage ohne Wohnmobil, denn wir bleiben in Cartagena bis das Schiff mit unserem Auto den Hafen verlassen hat.

Dann wird es allerdings noch einmal spannend. Die Reederei bestätigt die Buchung wegen Platzmangel nicht. Es ist schon verrückt. Die einen Schiffe fahren mangels Ladung nicht, die anderen haben keinen Platz mehr. Ein paar Tage später gibt es dann aber grünes Licht und einen Termin für den Hafencheck. In den Hafen darf nur einer von uns und auch nur in langen Hosen (bei 35°C). Die ganze Prozedur dauert fünf Stunden, wobei der eigentliche Check problemlos verläuft. Einen Großteil der Zeit nimmt das Fixieren des WoMos auf der Plattform in Anspruch.

Wir ziehen mit ziemlich viel Gepäck ins La Casona in die Stadt. Die nächsten Tage genießen wir unser Zimmer mit Klimaanlage und das Nachtleben von Cartagena. Nachdem es monatelang nicht geregnet hat setzt dann ein überraschender und heftiger  Wolkenbruch alle Straßen und Innenhöfe in der Stadt unter Wasser. Einige Stunden später ist der ganze Spuk schon wieder vorbei und alles trocken. Gerade rechtzeitig, um die Vorbereitungen für die „Blue Sail“ (Treffen vieler Großsegler) nicht zu stören. Für uns ist die Besichtigung der Segelboote und ein letzter Bummel durch die kleinen  Gassen ein schöner Abschluss hier.

Wir beschließen, einige Tage auf der Karibikinsel Curacao zu verbringen bevor wir nach Deutschland zurückfliegen.  Am 17. Mai verlassen wir endgültig Cartagena. Unser WoMo schwimmt inzwischen auf hoher See und wir fahren zum Flughafen. Da wir online gebucht haben, benötigen wir erst noch unsere Tickets. Und damit beginnt unser letztes Abenteuer in Kolumbien. Die Fluggesellschaft will uns keine Tickets ausstellen, weil wir keinen Rück- oder Weiterflug vorweisen können. Die Tickets sind bezahlt, das Hotel gebucht und wir stehen am Schalter und sollen Kolumbien nicht verlassen dürfen. Also müssen schnell zwei Flüge von Curacao nach Hamburg gebucht werden. Allerdings gibt es in diesem Flughafenbereich keine Stelle mit stabiler Internetverbindung. Die nette Dame am Schalter bietet mir kurzerhand ihren Platz und Computer an und ist zufrieden, als sie die Buchungsbestätigung auf dem Bildschirm lesen kann. Nach dem Sinn einer solchen Vorschrift sollte man erst gar nicht fragen, denn die Buchung können wir in ein paar Stunden ja wieder stornieren.

Wir erhalten unsere Flugtickets und kurz darauf heben wir ab. Nach einem Zwischenstopp in Bogota verlassen wir Kolumbien und den südamerikanischen Kontinent. Die nächsten Tage werden wir auf Curacao verbringen und von dort nach Hamburg fliegen, um unser Wohnmobil in Empfang zu nehmen.

 

Hasta luego und wir freuen uns auf ein Wiedersehen in der Heimat.