Cartagena (21.04. – 28.04.14)

Auf dem Weg nach Cartagena kommen wir an zahlreichen Gärtnereien vorbei. Sie liegen alle an einem Fluss. Dadurch wachsen Blumen und Obstbäume üppig, obwohl es seit Oktober hier nicht mehr geregnet hat. Wir halten am Vulcán Totuma, dessen Krater mit mineralischem Schlamm gefüllt ist. Ein Bad darin soll gesund sein und die Haut verschönern. Allerdings sind die Plätze schon belegt und so fahren wir „unbehandelt“ weiter.

Kurz vor Cartagena finden wir einen schönen Übernachtungsplatz neben einem Einkaufszentrum an einem kleinen See mit Fontänen. Denken wir! Wir fragen bei den Männern vom Sicherheitsdienst nach, ob wir hier übernachten können. Und damit beginnt das Durcheinander. Der Erste sagt ja, ab halb sechs. Der Zweite sagt ja, aber nicht hier.  Er zeigt uns einen anderen Platz und weist sogar unser WoMo ein. Abends kommt Mann Nummer drei und erklärt, hier dürfen wir nicht stehen; alles sei privat. Es folgen Diskussionen und Telefonate. Da wir nicht bereit sind weiter zu fahren (es ist spät und dunkel), schließen wir irgendwann die Tür und gehen schlafen. Am nächsten Morgen ist die Welt immer noch in Ordnung und unsere Anwesenheit scheint niemanden gestört zu haben.

Wir erreichen bald die ersten Viertel von Cartagena. Schöne alte Häuser begleiten die Einfahrt in die Stadt. Entlang der Strandpromenade gelangen wir in den Stadtteil Bocagrande und weiter bis zum Hotel Hilton. In einer Parkbucht direkt am Wasser bleiben wir.

Unser erster Gang führt uns ins Internetcafé. Wir warten auf den Namen des Hafenagenten und auf die Buchungsbestätigung der Reederei. Abfahrtstermin ist immerhin in einer Woche. Keine Nachricht! Allerdings stellen wir fest, dass das uns genannte Schiff  fünf Tage zuvor Cartagena verlassen hat und nun in Mexiko liegt. Wir sind etwas irritiert. Dafür erleben wir einen unterhaltsamen Abend mit Kolumbianern auf und neben der Parkbank beim Stellplatz.

Auch am nächsten Tag keine Nachricht aus Deutschland. Wir mailen erneut und erkundigen uns bei der sehr hilfsbereiten, freundlichen Touristeninformation in der Stadt nach möglichen Alternativen. Danach genießen wir aber erst einmal das wunderschöne historische Zentrum von Cartagena. In der Kathedrale wird gerade sehr emotional gepredigt und in Santo Domingo laufen die Ventilatoren heiß, um den Gläubigen etwas Abkühlung zu verschaffen. Beide Kirchen gefallen uns in ihrer schlichten Art und den dicken Mauern. Cartagena hat viele kleine Parks und schöne Plätze, deren Schattenbänke gut besucht sind. Straßenhändler versorgen alle mit Essen und Trinken; so könnte man hier den ganzen Tag verbringen, ohne sich viel zu bewegen. Denn für Bewegung ist es eindeutig zu heiß und zu schwül. Eine ebenso unterhaltsame Alternative ist das Einkaufszentrum während eines Fußballspiels der Champions League. Da läuft jeder Fernseher und die Kolumbianer outen sich als echte Spanienfans.

Inzwischen haben wir den 24. April und erfahren endlich den Namen des Hafenagenten. Wir machen uns auf den Weg zu ihm. Er hat nur fünf Minuten Zeit, die reichen aber für die schlechte Nachricht. Das Schiff ab Cartagena wurde gecancelt. Neuer Termin vermutlich(!) Anfang Mai. Und damit ist erst einmal Wochenende und wir werden auf Montag vertröstet.

Nach zwei Nächten neben dem Hilton fahren wir auf den Parkplatz vom Hotel Bellavista, um uns mit Wohnmobilisten aus Belgien und Frankreich auszutauschen.

Vom Bellavista aus ist die Innenstadt gut zu Fuß zu erreichen. Nach zwanzig Minuten landen wir schweißgebadet im Zentrum und im prallen Leben. Es ist erstaunlich, was am frühen Morgen schon alles läuft. Neben der Straße Verkaufstische (Brillen, Schuhe, Brillen, Schuhe, …), Stände mit Essen und Getränken, Straßenverkäufer mit Dingen, die der Mensch nicht wirklich braucht, überall läuft der Fernseher, jeder Zweite hat ein Handy am Ohr und geht telefonierend durch die Gassen, andere sitzen unter einem Baum im Schatten und schauen, häkeln oder unterhalten sich; ein reges Treiben, das mich fasziniert. Sehenswert ist auch die Festung San Felipe. Man hat von hier aus einen schönen Blick auf die Stadt. Und die dicken Mauern und niedrigen Gänge zu den fensterlosen Gefängniszellen sind beeindruckend.

Wir haben ein Paket mit unseren Lieblingssouvenirs gepackt. Ich bin gut im Packen. Jede Lücke wird ausgefüllt, alles sorgfältig gepolstert, damit nichts zu Bruch geht. Unser letztes Klebeband und eine neu gekaufte Schnur machen das Päckchen reisefertig. Ab geht es zur Post. Dort wird gewogen, gemessen, der Ausweis abgeschrieben und – das Paket aufgeschnitten. Mir fehlen selbst die deutschen Worte. Alles wird herausgerissen, durchgeknetet und kontrolliert und wieder hineingestopft. Natürlich geht das Paket danach nicht mehr zu. Aber da wird mit roher Gewalt nachgeholfen. Eine Banderole mit „kontrolliert und erlaubt“ beendet den Vorgang. Kommentar: so ist das in Kolumbien. Ich besiegle das Ganze mit meinem Fingerabdruck und bezahle die nicht ganz billige Fracht.

Das Wochenende ist vorbei. Wir treffen unseren Hafenagenten und die schlechten Nachrichten nehmen ihren Lauf. Der nächste Frachter dieser Reederei faehrt vermutlich erst am 7. Juni ab Panama. Das ist keine Option für uns. Wir werden nach einer anderen Moeglichkeit suchen.