Karibikküste (13.04. – 20.04.14)

Die Nacht verbringen wir neben einigen Lkws auf einem bewachten Parkplatz und fahren morgens früh weiter. Hier steht man nicht nach der Uhr sondern nach der Sonne auf. Aber wir befinden uns ja auch auf der Ruta del Sol. Allerdings hat seit Bucaramanga die Vermüllung am Straßenrand wieder extrem zugenommen. Über Busconia geht es nach Santa Marta. Dort kommen wir aufgrund von Straßensperren (Demonstrationen) erst im zweiten Anlauf in die Stadt. Die Touristeninformation der nicht gerade kleinen Stadt ist die „One-man-show“ eines ahnungslosen Polizisten in einem winzigen Infostand. Und ich erhalte einmal mehr eine Lektion in Sachen Machogehabe kolumbianischer Männer. Leider ist mein Spanisch immer noch nicht schnell genug, um entsprechend darauf zu reagieren. Aber an ihrem Umgang mit Touristinnen müssen die Kolumbianer, speziell die Ordnungshüter, noch ordentlich arbeiten. Wir treffen in diesem Land viele freundliche, interessierte Menschen. Fast alle fragen, wie es uns gefällt, ob es Probleme gab und ob wir uns sicher fühlen. Sie wissen um den schlechten Ruf von Kolumbien als Urlaubsland.  Nun, Probleme hatten wir bisher keine. Aber die Sicherheit lassen sich die Kolumbianer auch überall bezahlen, selbst an Tankstellen. Und die Hilfsbereitschaft der Polizei war in allen anderen südamerikanischen Ländern weitaus größer.

Die Semana Santa (Karwoche) hat begonnen. Ich weiß nicht, ob diese Woche in allen spanisch sprechenden Ländern gleich abläuft. Hier in Kolumbien wurden wir schon vorgewarnt. Volle Strände, Autokolonnen auf den Straßen und Schlangen vor den Nationalparks. Da wir ja irgendwo bleiben müssen entscheiden wir uns für den Sandstrand am karibischen Meer und fahren von Santa Marta aus auf den Campingplatz Casagrande. Ein Platz neben (nicht unter!) Kokospalmen, Strandduschen und eine gute Brandung – sehr schön. Und diesen idyllischen Ort teilen wir mit einer belgischen Familie und einigen Kolumbianern, die hier zelten und sich im Surfen üben. Von wegen überfüllte Strände in der Karwoche! Hier können wir in Ruhe die restlichen Tage in Kolumbien planen, dazwischen im Meer baden oder am Strand spazieren gehen. Faulenzen eben. Allerdings läuft die Planung der WoMo-Verschiffung nicht ohne Internet. Und das gibt es hier nicht. Also fahren wir ins nächste Dorf. Das Autotaxi ist unverschämt teuer, deshalb ordern wir ein Mototaxi. Bisher war das ein motorisiertes Dreirad, vorn der Fahrer und hinten zwei Plätze. Hier kommen zwei Motorräder ohne Anhänger angedüst. Und so schön Motorradfahren sein kann, diese kurze Fahrt erhöht den Adrenalinspiegel auf ein ungesundes Maß. Gelohnt hat sich die Fahrt am Ende auch nicht, da die Internetverbindung so langsam ist, dass man keine mails verschicken kann. Zurück geht es dann mit dem Bus. Inzwischen hat sich der Campingplatz gefüllt. Und was den Deutschen ihr Handtuch auf dem Liegestuhl, ist den Kolumbianern ihre Hängematte – Terrain abstecken. Aber wir haben nette Nachbarn und viele bleiben sehr interessiert beim WoMo stehen und kommen mit uns ins Gespräch.

Wir müssen noch unsere mail verschicken und fahren mit dem Bus nach Santa Marta. Endstation ist der Markt, ein Ereignis für Augen und Nase in jeder Hinsicht. Zahllose Fischstände, Fleisch am Haken, Obst, Gemüse und Gestank. Wir haben circa 36°C und die Sonne brennt aufs Haupt. Auf der Suche nach einem Internetcafé landen wir an der Strandpromenade in der Nähe des Hafens. Hier wird in grün-brauner Brühe gebadet und blaue Sonnenschutzzellen spenden ein wenig Schatten. Nicht sehr erbaulich. Aber die Stadt ist quirlig und lebendig, Musik und Gesang auf den Straßen, andächtige Gebete in der Kirche von San Francisco. Es ist Gründonnerstag.

Allerdings bringt die „Semana Santa“ nicht nur die guten Eigenschaften der Menschen zum Vorschein. Wir wollen zurückfahren und an der Bushaltestelle sammeln sich die Menschen, teilweise mit viel Gepäck. Der nächste Bus kommt und was dann abgeht ist unvorstellbar. Von hinten wird rücksichtslos geschoben, gedrückt, gestoßen. Ein Mann neben mir kommt zu Fall; das interessiert niemanden. Um nicht auf ihn zu treten halte ich mich am Türgriff des Busses fest und werde ins Innere hinein katapultiert (die „Kampfspuren“ sehe ich noch Tage später). Es ist schwer, sich auf den Füßen zu halten. Von außen werden Gepäckstücke auf die Sitze geworfen, um so einen Platz zu reservieren. Wir schieben sie auf die Seite und verstehen ab sofort kein Spanisch mehr. So etwas habe ich in ganz Südamerika noch nicht erlebt (und wir sind viel Bus gefahren).

Zurück auf dem Campingplatz. Die Anzahl der Zelte hat sich verdoppelt und die der Menschen vervielfacht. Und wir mitten drin – beobachten und staunen. Chaotisch geparkte Autos, laute Musik aus jeder Ecke und um drei Uhr nachmittags gibt es kein  Bier mehr. Wem zu heiß wird, der lässt sich im Auto von der Klimaanlage abkühlen. Der laufende Motor stört hier niemanden. Vor unserer „Haustür“ breitet sich das pralle Leben aus. Wir halten unsere Schwätzchen oder stürzen uns mit vielen Menschen jeglichen Alters in die Brandung.

Am Samstag herrscht Aufbruchstimmung und bis Sonntagnachmittag hat sich der Platz drastisch geleert. Auch wir haben das Strandleben ausreichend genossen. Zum Abschied köpfen wir unsere beste Flasche Wein aus Chile und bereiten uns mental auf das Ende unserer Südamerikatour vor. Am Montag fahren wir weiter nach Cartagena.