Zentralkolumbien (09.04. – 13.04.14)

Wir haben eine ruhige und erholsame Nacht auf dem Parkplatz der Therme und fahren am nächsten Morgen weiter nach Manizales. Kurz vor der Stadt biegen wir zur Hacienda Venecia ab, einer in Kaffeefeldern und wilder Natur eingebetteten Plantage.  Eine herrliche Umgebung. Ein erster Rundgang führt uns mitten durch die Kaffeesträucher, an denen Beeren unterschiedlicher Farbe hängen. Deshalb wird auch von Hand gepflückt, um nur die reifen Beeren zu ernten. Am Abend relaxen wir dann nach einem Bad im Pool in der Hängematte und beobachten die Vogelwelt. Für den nächsten Tag haben wir eine „Kaffee-Tour“ gebucht. Wir lernen viel über die Verbreitung des Kaffees (Ursprungsland Äthiopien), die Weltmarktpreise und die Entstehung von Kaffee – von der Beere über die Bohne bis zum Genuss. Nebenher wird natürlich Probe getrunken, an Bohnen in unterschiedlichen Röststadien geknabbert und an Duftfläschchen gerochen. Das Ende dieser unterhaltsamen, informativen Tour bildet die Besichtigung der Sortieranlage. Nur die besten Beeren schaffen es als ungeröstete Bohnen in den Export. Die anderen landen auf dem kolumbianischen Kaffeemarkt.

Unsere Fahrt geht weiter Richtung Medellin. Bis La Pintada begleiten wir den meist träge dahinfließenden Río Cauca, vorbei an Zuckerrohrfeldern, Mango- und Papayabäumen. Flache Häuser säumen neben zahlreichen Lokalen das Ufer. Am Straßenrand wird Saft aus Zuckerrohr angeboten und Tafeln werben mit „Lavadero y Restaurante“. Das Angebot: der Lastwagen wird (von Hand) gewaschen, während der Brummifahrer zu Mittag isst. Da packt schon auch mal die ganze Familie mit an.

In La Pintada verlassen wir den Fluss und die Straße führt zurück in die Berge. Eine sehr zähe Fahrt beginnt. Lastwagen, Baustellen, ein kurviges rauf und runter. An jeder Baustelle stehen die Verkäufer von Wasser, Cola und Obst Schlange.  Irgendwann erreichen wir Medellin und kommen relativ zügig am Stadtzentrum vorbei.

Wir zweigen nach Osten zum Piedra del Penol ab, einem  riesigen Gesteinsbrocken, der aus einem Hügel in die Landschaft ragt. Vermutlich das Ergebnis einer vulkanischen Eruption, genau weiß man es nicht. Vom Hügel aus hat man einen sagenhaften Blick auf eine Art Seenlandschaft mit „Minifjorden“. Auf kleinen Erhebungen stehen manchmal nur ein bis zwei Häuser, am Wasser liegen Boote bereit und alles sieht äußert gepflegt aus. Hier oben stehen wir auf dem Besucherparkplatz, einsam und menschenleer in einer sternenklaren Nacht.

Wir müssen wieder ein Stück zurück nach Marinilla. Unterwegs sehen wir den Rauch der Holzöfen, die bereits für das Mittagessen angefeuert werden. Die „schwarze Susanna“ wächst hier überall wie Unkraut neben Salat und Kohlköpfen. In Marinilla ist Viehmarkt. Den lassen wir uns natürlich nicht entgehen. In der Hauptsache werden Kühe, Stiere und Kälber verkauft. Dem Esel wird vorher ins Maul geschaut und anschließend wird gegessen und getrunken. Die Kinder trainieren in der Zwischenzeit ihre Lassotricks. Es herrscht so etwas wie Volksfeststimmung. Mir gefällt´s.

Wir haben beschlossen nicht mehr auf die Panamericana zurückzukehren. Es geht hoch über dem Tal weiter über Sanctuario und Cocorúa nach Puerto Triunfo. Die Straße verläuft in Serpentinen neben einer steilen Schlucht. Die Bergstraße nutzen auch hier wieder Fahrradgruppen für ihr Training und am Himmel gesellen sich die Paraglider zu den Vögeln. Es ist heiß, nicht einmal der Fahrtwind verschafft Linderung. Und die Pausen fallen kurz aus, da man es selbst im Schatten kaum aushält. In Cano Alegre biegen wir auf die Carrera 45 nach Norden ab. Entlang des gewaltigen Río Magdalena erreichen wir die Provinz Santander und fahren nach Bucaramanga. Wir hatten eigentlich nicht vor, diese Großstadt zu besuchen. Aber in der Provinz gibt es keine Geldautomaten und Tank- und Mautstellen leeren zunehmend unseren Geldbeutel. Stadtauswärts geht es danach kontinuierlich bergab. Rio Negro, San Alberto – die Hitze nimmt zu. Und die Landschaft wird trockener und staubiger. Wir durchqueren Straßendörfer, in denen sich die Menschen bei lauter Musik dem sonntäglichen Nichtstun hingeben, passieren Haciendas, auf deren braunen Feldern magere Kühe grasen, deren Rippen man zählen kann. Nur die Mangobäume und Dattelpalmen hängen prallvoll mit Früchten.  Die Straße ist gut, wir kommen trotz Lastwagen zügig voran.