Zentrales Hochland (28.02. – 05.03.14)

Eine schöne kurvenreiche Fahrt führt uns zu unserem nächsten Ziel – Alausí. Dort kaufen wir Tickets für die Zugfahrt über die Nariz del Diablo (die Teufelsnase) nach Sibambe. Dies ist ein wieder hergestellter Teil der ehemaligen Transandino, die von Quito nach Guayaquil führte. Bis zur Abfahrt beobachten wir bei einem typisch ecuadorianischen Essen – Maisklöße mit Beilagen und einer scharfen Chilisoße – das Karnevalstreiben in der Stadt. Hier ist es wohl Sitte, sich gegenseitig mit kleinen Wasserbomben zu bewerfen, blau anzumalen und mit Schaum zu besprühen. Dazu läuft auf der Plaza Musik in einer Lautstärke, die jede Unterhaltung unmöglich macht.

Beim Kauf der Zugtickets mussten wir unsere Pässe vorlegen und die Nummern wurden registriert. Ebenfalls beim Einstieg in den Zug. Ich stelle mir das in Deutschland bei der Bahn vor. Die Verspätungen wären vorprogrammiert. Aber hier geht es pünktlich los. Eine herrliche Fahrt hoch über einem kleinen schäumenden Fluss in einem Tal, das von zwei Bergen gebildet wird. Die Bahntrasse schlängelt sich dicht am Abhang entlang in die Tiefe. Die Menschen, die hier leben, bewirtschaften die steilen Hänge von 1800m bis 3200m; je nach Höhenlage mit anderen Pflanzen und ohne Maschinen. Die letzten Höhenmeter muss der Zug auf einer Zick-Zack-Route überwinden. Eine technische Meisterleistung, bei der allerdings viele Bahnarbeiter beim Bau ihr Leben verloren. In Sibambe gibt es ein kleines, sehenswertes Museum, das die damalige Entwicklung der Bahn veranschaulicht.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Riobamba und dort auf den Markt. Es ist ein Markt für die Einheimischen. Sie lassen sich Ponchos nähen (die Nähmaschine ist eine Männerdomäne!), Hutbänder erneuern oder Kleider ausbessern. Es gibt Tischdecken, Hüte und vieles andere mehr. Der Mercado la Merced bietet anschließend ein ganz besonderes Ambiente. Die ganze Markthalle ist voller Marktfrauen, die ihre gebratenen Schweine lautstark anbieten. Sie locken mit knusprigen, saftigen Stückchen. Gegessen wird danach auf engstem Raum, umgeben von Schweineköpfen. In der Stadt ist man wegen des närrischen Treibens weder auf der Straße noch in den Parks vor Schaumsprühern und Wasserbombenwerfern sicher.

Auf der Fahrt am Rosenmontag aus der Stadt hinaus begleiten wir den kilometerlangen Umzug. Hier sind viele farbenfroh gekleidete Gruppen tanzend unterwegs. Beinahe wären wir nicht weiter gekommen, denn es ist herrlich, ihnen zuzuschauen.

Aber unser Ziel ist der Chimborazo, der höchste Berg Ecuadors. Für die Indigenas ist der Chimborazo der „Taita“, der Vater. Und der Vulkangipfel ist der vom Erdmittelpunkt am weitesten entfernte Ort der Welt. Wir fahren zum Parkeingang des Naturschutzgebietes auf 4300m Höhe, aber die Gletscherhaube des Berges hält sich mit Wolken bedeckt. Eine Schotterstraße führt bis auf 4800m hinauf. Angesichts des Wetters, und da wir in dieser Höhe auch nicht übernachten wollen, muten wir das unserem WoMo nicht zu. Wir umkreisen den Vulkan bis Ambato. Die Gegend hier oben ist ein Schutzgebiet für Vicunas und wir sehen viele davon.

In Ambato biegen wir ins Tal des Río Pastaza ab. Landschaftlich ist das eine schöne Fahrt entlang eines steilen Canyons. Allerdings wird der Verkehr Richtung Banos grauenhaft. Stop and go und der Grund: Karneval. Wir halten bis Rio Verde durch und finden das kleine Paradies „Pequeno Paraiso“ zum Übernachten. Die herzliche Begrüßung durch die Besitzerin Sue verbreitet sofort Wohlfühlatmosphäre. Hier lässt es sich aushalten. Südwestlich von Rio Verde befindet sich „Mama Tungurahua“ (in einer Legende der Indigenas die Frau von Taita Chimborazo), ein äußerst aktiver Vulkan. Etwa alle drei Monate macht „sie“ sich bemerkbar. Und die Bewohner ihres Einflussbereiches akzeptieren ihre regelmäßigen Ausbrüche mit Gleichmut. Sie gehören zum Leben dazu. Zwei der zahlreichen Wasserfälle des Tales liegen ganz in der Nähe. Insbesondere der „Pailón del Diabolo“, der Teufelskessel, bietet ein beeindruckendes Naturschauspiel. Den Anblick muss man sich allerdings durch einen steilen Ab- und  Aufstieg erst verdienen. Da staune ich doch immer wieder über das Schuhwerk der Menschen hier. Wir tragen Wanderstiefel und begegnen Frauen mit Schläppchen und Flip-Flops. Und dann muss ich den Älteren und Gutbeleibten Respekt zollen. Viele tragen auf diesen steilen Stufen auch noch (gar nicht mehr so kleine) Kinder auf dem Arm. Und haben noch Luft zum Lachen.

Wie auch in Deutschland ist hier am Aschermittwoch alles vorbei und auf einer freien Straße setzen wir unseren Weg im Pastazatal fort. Wir wollen ein bisschen Regenwaldluft schnuppern. Es nieselt und das Wetter passt zu dieser feuchten Baumlandschaft. Im Canyon hängen die Nebelschwaden und uns umgeben große Baumfarne. In den Dörfern gibt es neben Obst (es ist Erntezeit für Mandarinen) auch viele Zuckerrohrprodukte an den Ständen. In Veracruz, kurz hinter Puyo, kehren wir um, denn der Urwald steht heute nicht auf der Tagesordnung. Wir fahren zum Übernachten nach Banos zurück.