Cuenca (23.02. – 27.02.14)

Auch die peruanisch-ecuadorianische Grenze ist inzwischen binational. Die Passformalitäten finden also in einem Gebäude statt. Nur die Papiere fürs WoMo müssen wir noch an einer anderen Stelle erledigen. Einige Kilometer hinter der Grenze biegen wir nach Südosten Richtung Loja ab und  kommen uns vor wie in einem anderen Film. Von jetzt auf nachher tauchen wir in eine üppig wuchernde Vegetation ein. Große Felder mit Bananenstauden, Riesenfarne, Palmen voll mit Kokosnüssen; dazwischen immer wieder fremdartige Vögel. Die Straße zieht sich in Kurven bergauf und –ab. Aus der feuchten Wärme wird stellenweise dichter Nebel. Ich hätte gern ein bisschen fotografiert, aber hier ist es unmöglich, anzuhalten. Kurz vor Loja übernachten wir.

In Loja wollen wir unsere Vorräte auffüllen. Wir stehen im Supermarkt „Supermaxi“ mit unserem Wagen an der Kasse und erfahren, dass man in Ecuador vor 12 Uhr mittags keine alkoholischen Getränke kaufen kann. Danach darf man sich dann die Kante geben. Ungläubiges Staunen. Wir belassen es also bei Wurst, Käse und exotischen Früchten und fahren weiter. Es geht jetzt nach Norden in die schöne Stadt Cuenca. Unterwegs sehen wir kleine schmucke Dörfer mit sehr viel Charme. Die steilsten Hänge sind hier noch mit Mais bepflanzt und die Häuser stehen hart am Abgrund; aber immer mit Garten und Blumen. Pferde und Kühe säumen den Straßenrand, teilweise ist eine Fahrbahn am Steilhang weggebrochen. In Saraguro legen wir einen kurzen Halt ein. Hier sehe ich zum ersten Mal auch viele Männer und Kinder in ihrer traditionellen Kluft. Und die Schuluniform ist ausnahmsweise praktisch (und etwas derb).

Bis Cuenca zieht es sich. Aber dann sieht man schon von weitem die blauen Kuppeln der Kathedrale. Und die Fahrt in die Stadt hinein ist absolut frei von Müllbergen – ein Novum. Wir finden einen schönen Übernachtungsplatz am südlichen Ortsrand; mit Hühnern, Hunden und Katzen.

Ein erster Stadtrundgang in Cuenca führt uns zuerst auf den Blumenmarkt neben der Iglesia del Carmen. Danach in die  neue Kathedrale, eine riesige Kirche mit viel Marmor. Sie ist den ganzen Tag geöffnet (kein Eintritt!). Und ein Ort für die Menschen mit ihren unterschiedlichsten Bedürfnissen. Ich sehe Frauen und Männer ins Gebet versunken, teilweise auf dem Boden knieend vor einem Seitenaltar; junge Liebespaare sitzen händchenhaltend und flüsternd in einer Bank; kleine Kinder laufen unbefangen durch die Gänge und warten darauf, dass ihre Eltern wieder gehen; und (obwohl es nicht erlaubt ist) telefonieren manche leise und in aller Ruhe mit ihrem Handy.

Eine Fahrt mit dem Panoramabus bringt uns anschließend durch die historische Altstadt, die modernen Außenbezirke und hinauf auf den Mirador del Turi. Von hier hat man einen phantastischen Blick über die Stadt an vier Flüssen. Cuenca ist sehr katholisch geprägt. Es gibt zahlreiche private katholische Schulen und Universitäten. Und insgesamt 52 Kirchen im ganzen Stadtgebiet. Die Innenstadt prägen koloniale,  sehenswerte Gebäude, Plätze und Märkte. Und Hutmacherläden, die den berühmten Panamahut (der nicht aus Panama stammt) herstellen. Auf eine deutsche Bäckerei mit dunklem Vollkornbrot stoßen wir zufällig – ein Glücksmoment.

Auf der alten Panamerikana fahren wir weiter nach Norden. Die Landschaft ist ein bisschen wie das Allgäu – Landwirtschaft und Kühe in sanften bis steilen Hügeln. Nur eben auf über 3000 Metern. In den Dörfern wird fleißig auf dem Feld gearbeitet oder am Haus gebaut. In den Straßen stehen Grills mit ganzen Schweinen darauf. Der Anblick ist gewöhnungsbedürftig, aber es riecht ausgesprochen gut.

Wir erreichen die Ruinen von Ingapirca. Im Vergleich mit peruanischen Ruinenstätten ist die Anlage hier nicht sehr groß, aber ein wichtiger Ort für die Ecuadorianer und insbesondere die hier lebenden Canari. Ingapirca war früher für die Canari ein Heiligtum und eine Art Observatorium. Es gibt einen (restaurierten) Mondtempel und einen Steinkalender. Ein Teil dieses Kalenders ist ein Felsblock mit 28 Kuhlen; für den Rhythmus des Mondes und der Frau. Denn damals herrschte hier ein Matriarchat. Die Inkas bauten später ihren Sonnentempel dazu, respektierten aber den Tempel der Mondgöttin. Erst die Spanier zerstörten einen großen Teil der Anlage, da sie die Steine zum Bau ihrer Kirchen und Häuser abtransportierten. Insgesamt ist das Gelände hier klein aber fein. Und unser Übernachtungsplatz vor dem Museum bietet auch noch eine schöne Aussicht ins Tal.