Unterwegs zu Perus Nordstränden (17.02. – 23.02.14)

Wir sind zurück auf der Panamerikana, wo die Maut-„Abzocke“ weiter geht. Reisanbauflächen, Zuckerrohrfelder und wilde Müllkippen wechseln sich mit der Wüste ab. In Pacasmayo legen wir einen kurzen Strandstopp ein, danach folgen einzelne Straßendörfer, die den Eindruck eines harten Lebens vermitteln.

Eine Mautstation. Zwei schmutzige kleine Jungs halten uns aufdringlich ihr zu verkaufendes Gemüse unter die Nase. Eigentlich wie immer. Aber dann stehen sie neben dem WoMo und stellen mit großen Augen Fragen; und plötzlich sind zwei Nervensägen neugierige, nette Kerlchen. Wir unterhalten uns sogar auf spanisch.

Kurz vor Chiclayo biegen wir dann ab zum Grab des Senor Sipán. An dieser Ausgrabungsstätte wurden vor nicht allzu langer Zeit spektakuläre Grabschätze gefunden. Diese Gräber (vermutlich von einer ganzen dynastischen Hierarchie) sind eine völlig andere Art von „Ruine“; in ihrer Aufmachung beeindruckend. Aber bei aller Neugier, haben sich die Menschen damals gewünscht und vorgestellt, dass all dies irgendwann ausgegraben und der Öffentlichkeit dargeboten wird? Das kleine Museum hat zwar keine englischen Erklärungen, dafür einen wunderbaren Parkplatz zum Übernachten. Dort können wir am nächsten Morgen beim Frühstück auch noch farbenfrohe Vögel bewundern.

Vor einigen Jahren wurde das neue (!) „Museo Tumbas de Sipán“ in Lambayeque gebaut, in dem die originalen Grabbeigaben ausgestellt werden. Fotografieren darf man hier wieder nicht (warum auch immer), am Eingang wird man mit einem Detektor überprüft wie am Flughafen. Dann haben wir natürlich wieder den Ausländerpreis bezahlt, dafür gibt es im dreistöckigen Museum gerade mal zehn englische Sätze zur Erklärung. Das Einführungsvideo läuft auch nur auf (schnellem) spanisch und teilweise liegen auch die spanischen Erklärungen im Halbdunkeln. Für ein neues Museum sehr enttäuschend und frustrierend, auch wenn die Exponate wirklich herrlich sind. Aber nach der Hälfte geht die Lust am reinen Anschauen verloren. Man würde doch auch als Tourist gern mehr verstehen (ein großes Lob noch einmal an das Larcomuseum in Lima), insbesondere nach dem Besuch der Ausbrabungsstätte.

Kurz nach Lambayeque durchqueren wir die Sechurawüste, eine der trockensten Wüsten der Welt. Sie ist hier bis zu 150 Kilometer breit. Die Überschwemmungen 1997, ausgelöst durch El Nino, machten aus dieser Wüste den zweitgrößten See des Landes (145 km lang, 30 km breit und 3 m tief). Ich stelle mir das beim Fahren vor. Heute kämpfen wir nur mit Wind, Sandverwehungen und Baustellen. Es gibt hier keinerlei Ortschaften; ab und zu ein einsames Restaurant für die Lkw-Fahrer. Erst in Stadtnähe, kurz vor Piura, stehen wieder Basthütten in der Landschaft. Piura ist eine Großstadt mit viel Verkehr. Wir erkundigen uns nach einem sicheren Übernachtungsplatz. Fehlanzeige. Vor allem vom Flussufer wird uns abgeraten. Also nichts wie raus aus der Stadt zur nächsten bewachten Tankstelle (wieder einmal). Aber die Menschen, vor allem die Sicherheitsleute, sind sehr nett dort.

Tankstelle in Peru. Wir vermuten, dass unsere Reifen etwas mehr Luft benötigen. In Peru gibt es an den Tankstellen zwar Luft, aber ohne Messgerät. Wir beobachten die Peruaner. Sie fahren vor, lassen etwas Luft in ihre Reifen, klopfen dagegen und fahren mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck davon. Wir fürchten, diese Technik funktioniert bei unserem WoMo nicht so ganz und hoffen auf bessere Ausstattung in Ecuador.

Wir lassen Piura hinter uns und steuern über Sullana und El Alto die nördliche Pazifikküste an. Ab Sullana ist im Tal des Río Chira für kurze Zeit alles grün. Kokospalmen und Bananenplantagen beleben nach der Wüste das Auge. Esel sind hier bevorzugte Transportmittel und das Leben findet vor dem Haus und auf der Straße statt. Es wird gegessen, gespielt, verkauft und repariert. Leider verlassen wir auf dem Weg nach Norden das Chiratal wieder. Irgendwann begleiten uns kreuz und quer verlegte Ölleitungen, Ölfördertürme auf Sandplattformen und draußen im Pazifik.

Und dann erreichen wir die Nordstrände Perus. In Los Organos will ich erst einmal die Wassertemperatur prüfen. Aber am Strand schauen mich hunderte von Sandwürmern an und nicken mir freundlich zu. Das ist nichts für mich. Am Playa Veleros trauen sie sich wohl nicht heraus. Hier verbringen wir einen entspannten  Nachmittag am warmen Pazifik unter einer Kokospalme.

Über Máncora und Punta Sal steuern wir einen Platz südlich von Zorritos an. Dort streife ich mit den Haaren einen Baum und bin sofort einer Bienenattacke ausgesetzt. Die Stiche am Hals und neben dem Auge schwellen in Sekundenschnelle an. Ich wäre am liebsten sofort wieder umgekehrt. Aber dann hätten wir ein paar wunderbare Strandtage verpasst. Schwimmen, lesen, Spaziergänge am kilometerlangen Strand oder faulenzen in der Hängematte – so lässt es sich aushalten. Aber am meisten begeistert mich der Flug der Pelikane. An Land wirken sie so schwerfällig und in der Luft sind sie elegante Flieger. Ob einzeln oder in einer Wellenlinie von zwanzig Vögeln. Wenn wir im Meer baden fliegen sie fast über unsere Köpfe hinweg, kreisen und stürzen sich dann senkrecht ins Wasser (auf den Fisch, nicht auf uns). Zwei andere Vogelarten, die Namen kennen wir leider nicht, bestechen durch ihr Flugbild. Wenn sie im Anflug sind fühlt man sich in „Jurassic Parc“ versetzt; so stelle ich mir die Flugsaurier von früher vor.

Dann zieht es uns wieder weiter. Ein letzter Sonnenuntergang mit Abendrot und am nächsten Tag brechen wir auf zur Grenze nach Ecuador. In Tumbes legen wir noch einen kurzen Fotostopp auf der Plaza ein, denn einen Leberwurstbaum haben wir noch nie gesehen.