Auf der PanAm nach Norden (13.02. – 16.02.14)

Unsere Reiseführer schreiben, auf der Panamerikana nach Norden zu fahren sei extrem langweilig. Für den Anfang haben sie erst einmal Recht. Wir sehen viel Sand, Sand mit Hütten aus Bastmatten (ich weiß nicht, ob jemand drin wohnt) und ab und zu einen Streifen Pazifik im Dunst. Der Nationalpark Lachay ist um diese Jahreszeit uninteressant; wir fahren weiter. Huacho am Meer hat einen langen Sandstrand und viele Fischerboote im Hafen. Wir sind unschlüssig, ob es sicher ist, hier zu bleiben. Und fahren weiter. In Barranca wollen wir am Strand stehen. Dann sehen wir an der Tankstelle einen Polizeiposten auf dem Flachdach. Wir sind etwas irritiert. Der Polizist steht dort oben in voller Montur und hält die ganze Nacht Wache. Es ist kein romantischer Platz, aber wir bleiben zum Übernachten. Ich hoffe allerdings, dass sich die Sicherheitslage auf unserer Fahrt Richtung Norden etwas entspannt. Am nächsten Morgen frühstücken wir inmitten von Zuckerrohrfelder. Die Sonne hat inzwischen den Küstennebel vertrieben und wir fahren durch eine Gegend mit wechselnden Sandformationen. Es sieht aus wie gemalt und erinnert mich an die Glasbilder mit Sand. Wenn man sie dreht, entstehen neue Landschaften. So ist es auch hier. Man fährt ein paar Kilometer und sieht eine völlig veränderte Sandlandschaft. Langweilig ist das auf keinen Fall. Und zum ersten Mal sehe ich einen Regenbogen direkt über mir am Himmel – ein bunter Halbkreis um die Sonne herum. Fantastisch (leider nicht zum Fotografieren). Bis Casma folgen dann Plantagen mit Mangos und Avocados, kleine Ortschaften mit bunten Marktständen (die riesigen Melonen werden direkt vom Lkw herunter verkauft), Oasen mit Zuckerrohr, Mais, Wein, …

Unser WoMo quietscht beim Fahren. In Trujillo finden wir eine Werkstatt, die das Problem sofort und preisgünstig behebt. Somit fahren wir weiter nach Huanchaco. Nach den Beschreibungen habe ich mir ein verträumtes Fischerdorf darunter vorgestellt, aber hier tanzt der Bär. Es ist Freitagabend und am Strand gibt es Musik und eine Lasershow. Außerdem ist Valentinstag und anscheinend ist das ein Anlass für große Familienfeste.

Eine Sehenswürdigkeit hier ist die Ruinenstätte Chan Chan, komplett aus luftgetrockneten Lehmziegeln erbaut. Früher war Chan Chan eine zwanzig Quadratkilometer große Stadtanlage mit Hafen. Von den zehn ehemaligen Stadtvierteln kann man den Palacio Nik An, er ist am besten erhalten und restauriert, besichtigen. Es ist sehr eindrucksvoll, insbesondere wenn man eine Vorliebe für geometrische Muster und Ornamente hat. In der Blütezeit lebten hier mehr als 60000 Menschen vom Volk der Chimú. Und sie waren großartige Handwerker, auch in der Keramik- und Textilkunst.

Nach Chan Chan steht eine Besichtigung von Trujillon auf dem Plan. Die Innenstadt hat wundervolle Kolonialbauten mit prächtigen Balkonen und unterschiedlichsten Fenstergittern. Die Kathedrale an der Plaza können wir besichtigen, da gerade eine Hochzeit stattfindet. Der Hunger treibt uns anschließend in die Markthalle, aber das Essen dort macht nicht wirklich an (es ist nur zum Sattwerden gut). Die Obststände jedoch laden zum Kaufen ein.

Zurück nach Huanchaco, mit einem Stopp beim Museum von Chan Chan, wollen wir eigentlich mit dem Bus. Aber die Minibusse sind so vollgestopft, dass wir am Ende doch mit dem Taxi fahren. Ein Höllenfahrt! Am Museum sind wir froh, heil angekommen zu sein. Und der Halt lohnt sich nicht wirklich. Für die restliche Strecke nach Huanchaco nehmen wir dann doch einen Minibus – mit schlechter Federung und viel Hautkontakt zu zahlreichen Menschen.

Am nächsten Morgen sind wir schon um halb sieben am Strand, um die Rückkehr der Fischer auf ihren „Schilfpferdchen“ zu beobachten. Die (eigentlich halben) Boote sind aus Schilf gefertigt und die Fischer knieen darauf oder hängen die Beine über den Bootsrand. Es ist nicht ganz das, was wir erwartet haben. Begleitet von Möwen und gefräßigen Pelikanen kommen die Fischer zu zweit oder zu dritt zurück, anstatt zusammen in einer großen Gruppen. Sie haben halt meinen Reiseführer nicht gelesen. Aber die Atmosphäre am Strand ist um diese Uhrzeit herrlich. Später werden wieder Straßenhändler mit Schmuck, Saft und Essen die Uferpromenade füllen. Wir genießen den Strand von Huanchaco noch einmal am Abend bei einem erstklassigen Essen mit Fisch, Calamares und einem peruanischen Weißwein, während die Sonne als glutroter Ball versinkt.