Lima (10.02. – 13.02.14)

Miraflores ist ein schönes und sauberes Stadtviertel von Lima. Hier wohnt die gehobene  Mittelschicht. Und unser WoMo steht im Hostel sicher. Interessant ist natürlich auch die Backpacker-Atmosphäre dort. Viele junge Rucksackreisende aus ganz Amerika legen hier einen Stopp ein. Am ersten Tag erobern wir Miraflores zu Fuss. Schöne Häuser, gepflegte Gärten mit Blumen, deren Blüten in allen Farben leuchten, zahlreiche kleine Restaurants und eine in ihrer Schlichtheit bezaubernde Kirche.

Eine Sightseeing-Tour in Limas Vororte und Innenstadt ist (im Vergleich beispielsweise mit Cusco) dagegen nicht so spektakulär. Die Kathedrale ist allerdings wunderschön. Dort haben wir eine Führung, durch die vieles sehr anschaulich wird (peruanische Heilige, alte und neue Teile der Kirche, …). Danach erleben wir die Wachablösung vor dem Präsidentenpalast. Ein Spektakel, das wir mit gemischten Gefühlen beobachten. Ich frage mich, wer das braucht und bezahlt und gleichzeitig sehe ich peruanische Frauen auf der Straße zur Musik tanzen.

Die großartigen Kolonialbauten mit ihren restaurierten Balkonen lassen dann wiederum auf dem Weg zur Iglesia San Francisco vergangene Zeiten auferstehen. Auch die Franziskuskirche können wir besichtigen (ohne Eintritt!). Und auch hier fehlen die goldüberladenen Seitenaltäre, was dem Charme der Kirche nicht wirklich schadet.

Ein Highlight ist unser Besuch im Museum Larco. Schon das Umfeld des Museums ist eine Augenweide. Liebevoll mit Blumen, Kakteen und Tongefäßen gestaltet und gepflegt. Und die Präsentation der herrlichen präkolumbischen Exponate ist perfekt. Und jugendfrei, denn die Keramikgefäße mit erotischen Darstellungen werden in einem gesonderten Raum gezeigt. Wir verbringen hier Stunden und sind begeistert.

Was ist das Wichtigste beim Autofahren in Peru? Eine funktionierende Hupe! Leider hat unsere vor kurzem über Nacht ihren Geist aufgegeben. So können wir unmöglich weiterfahren. In Lima eine Werkstatt zu finden, die unsere Hupe repariert, war nicht ganz einfach. Aber schlussendlich hat es dann doch geklappt; in einem klitzekleinen Zweimannbetrieb. Unser Mechaniker ist ein schweigsamer, junger Mann mit freundlichen Augen. Und er erledigt seine Arbeit mit großer Sorgfalt. Viel Zeit für mich, die Menschen um mich herum zu beobachten. Hier in Lima trägt beispielsweise, anders als in Cusco, niemand „Tracht“. Menschen aller Hautfarben tragen meistens Jeans und T-Shirt – und Leggins. Letzteres bevorzugt von Frauen und jungen Mädchen mit üppigen Formen. Dazu Blusen, die kurz über dem Bauchnabel enden. Twiggy würde hier keinen Schönheitspreis gewinnen. Im Gegensatz dazu sind alle Polizisten und Sicherheitsleute absolut akkurat gekleidet – unabhängig von den Temperaturen. Also schrill und bunt oder dezent – wie es gefällt. Auch das Schuhwerk ist sehr individuell. Badeschlappen, Winterstiefel, Highheels oder gar keine Schuhe; alles ist vertreten. Die Menschen um mich herum sitzen morgens um neun Zeitung lesend im Park oder schlendern zur Arbeit. Immer  mit Zeit, für ein kurzes Gespräch auf der Straße. Eilig haben es eigentlich nur die Autos auf der Straße. Und da kommt wieder unsere Hupe ins Spiel. Die Ampel zeigt kurz vor grün (also noch rot), da wird schon gehupt, wenn der Vordermann nicht anfährt. Ohne Signalhorn geht hier einfach nichts!

Ausgerüstet mit der nötigen Lautstärke nach erfolgreicher Reparatur verlassen wir Lima und machen uns auf den Weg nach Norden.