Iquique (06.01. – 09.01.14)

In Tocopilla, einer kleinen Industrie- und Hafenstadt, erreichen wir dann den Pazifik. Die Ruta 1 führt uns ab jetzt an der Küste entlang nach Norden. Es ist nicht viel Platz zwischen den steil aufragenden Bergen und dem Meer. Trotzdem gibt es immer wieder schöne Buchten, die allerdings total vermüllt sind. Die Chilenen scheinen keinen Blick dafür zu haben. Sie sitzen manchmal mitten drin und essen.                                                              Unterwegs begegnen uns viele Menschen, die am Strand Algen sammeln. Diese werden gebündelt, teilweise an Ort und Stelle getrocknet oder mit dem Auto abtransportiert. In einem kleinen Dorf sehen wir, wie es weiter geht. Nach dem Trocknen wird gehäkselt und dann in Säcke verpackt. Und wir erfahren, dass man daraus keine Suppe sondern unter anderem Kunststoff macht. Allerdings haben wir auf den Märkten auch schon Verkäufer von Algen gesehen. Was damit geschieht wissen wir immer noch nicht.                               Am Playa Ike-Ike finden wir dann ein einigermaßen sauberes Plätzchen. Eine weite Bucht mit Sandstrand und sehrrrrr kaltem Wasser für ein erfrischendes Bad. Am nächsten Tag geht es weiter nach Iquique, der zweitgrößten Stadt hier im Norden. Eingezwängt zwischen Pazifik und Bergen, mit einer großen Düne am Stadtrand, hat Iquique wunderschöne Strände mitten in der Stadt. Wir stehen erst einmal oberhalb der Playa Cavancha, neben unzähligen Marktständen, die nachts zum Leben erwachen. Angeboten wird so ziemlich alles, was man nicht braucht. Aber die Leute kaufen ein. Und wir begegnen hier Menschen jeden Alters und jeder Hautfarbe.

Am nächsten Tag hat unser WoMo einen Termin in der Fiatwerkstatt. Ich gehe solange in die Stadt. Iquique ist eine der schönen Großstädte. Rund um die Plaza gibt es wundervoll sanierte Gebäude, in der Fußgängerzone Holzstege und auch die Randbezirke sind ansehnlich. Was die Stadt, mehr als 200000 Einwohner, nicht bietet sind kompetente Autowerkstätten und willige Fachleute. Fiat kann (oder will) nur einen Ölwechsel und eine Motorreinigung durchführen. Wir haben aber noch ein Problem mit der Lenkung und einem einseitig abgefahrenen Reifen. Wir machen uns auf die Suche nach einer geeigneten Werkstatt. Es wird eine Irrfahrt ohne Ende. Die einen können, die anderen wollen nicht. Und sie schicken uns weiter, ohne nachzudenken, ob die empfohlene Werkstatt dafür ausgerüstet ist. Eines ist uns sehr schnell klar: in Argentinien oder Südchile hätten wir das in dieser Form nicht erlebt. Dies ist eine ganz neue Erfahrung für uns in Südamerika. Da ist die Aktion Waschsalon nur noch das I-Tüpfelchen. Hier in Iquique wird die Wäsche (für nicht wenig Geld) nur mit Wasser, ohne Waschpulver gewaschen. Sie staubt hinterher zwar nicht mehr, aber sauber ist etwas anderes.

Wir verlassen diese schöne, aber ungastliche Stadt und fahren weiter. Nach ein paar Kilometern, in Alto Hospicio, treffen wir in einer Reifenhandlung auf einen sehr freundlichen und hilfsbereiten Nordchilenen. Leider kann er uns auch nicht weiter helfen, vermittelt uns aber eine Adresse in Arica und klärt alles telefonisch ab. Auch bei den Nordchilenen gibt es halt solche und solche. Wir fahren, etwas entspannter, weiter nach Osten zur Ruta 5, der Panamerikana. Wir passieren die zwei stillgelegten Salpeterminen Humberstone und Santa Laura und nehmen uns Zeit für einen Ausflug in den Nationalpark Pampa del Tamarugal. Hier werden die Tamarugabäume gezüchtet und neu gepflanzt. Sie sind die einzigen Bäume, die in dieser Wüste wachsen können. Nach den massiven Rodungen während des Salpeterbooms waren sie völlig von der Landschaft verschwunden. Im Nationalpark kann man dann noch die „Geoglifos del Pintados“ besichtigen. Über 400 „Bilder“ schmücken die Berge, und das seit über tausend Jahren. Dabei handelt es sich um Tiere, Ornamente und menschenähnliche Figuren, angefertigt in verschiedenen Techniken. Großartig.

Ein kurzer Abstecher führt uns in die Oase Pica. Hier sollen die besten Limonen für den Pisco Sour wachsen. Wir kaufen ein, gönnen uns einen Mangoshake und verzichten auf das Bad in der übervollen Thermalquelle. Über La Tirana geht es zurück auf die PanAm, weiter nach Norden.

In Huara gibt es eine Abzweigung zum Cerro Unitad, auf dem der „Gigante de Atacama“ , die mit 86m größte bisher gefunde Erdzeichnung einer menschlich Figur, zu bestaunen ist. Die Figur soll einen indianischen Herrscher oder eine Gottheit mit Maske und Federschmuck darstellen. Nun, ein bisschen Interpretationshilfe benötigen wir beim Betrachten.

Danach folgen wir der Ruta 5 bis Arica. Dabei hat man das Gefühl in einer Endlosschleife zu stecken. Parallel zu einem tief eingeschnittenen Tal geht es (mit zahlreichen Baustellen) hinauf, dann wieder ins Tal hinunter, über ein ausgetrocknetes Flussbett hinweg, wieder hinauf …Und ringsherum nur braune Hügel.