Santiago (17.12.13)

Wir wissen unser „little hotel“ gut aufgehoben und schnappen uns nach dem Frühstück ein Taxi gleich vor dem Tor. Ein junger, sympathischer Fahrer. Aber ständig klingelt das Handy und er ist so nebenher am simsen. Er fährt zügig – oder zu schnell? Eine Ampel, Bremsen quietschen und es knallt. Das Fahrzeug hinter uns kam nicht mehr rechtzeitig zum Stehen. Geschimpft wird aber auf den Vordermann, der bei Gelb abgebremst und gehalten hat. Was lernen wir daraus? Bei dunkelgelb bis hellrosa immer über die Kreuzung düsen! Im Zentrum, auf der Plaza de Armas, setzen wir uns erst einmal auf eine schattige Bank und begutachten die Welt um uns herum. Wohnungslose Langschläfer, Händler, die ihre Stände aufbauen, Straßenfeger und Menschen die Kaffee trinken und Zeitung lesen. Alles dicht beieinander. Als erstes besichtigen wir das Postgebäudes. Ein imposante Halle und ein Ort voll von Leben. Es wird geschrieben, gespielt oder gestillt. Je nachdem, was ansteht. Gleich daneben die Kathedrale. Unheimlich düster, wenn man hineinkommt. La Moneda, demnächst wieder ein Präsidentinnenpalast, bewacht von berittener Polizei mit Gewehren. Die Polizei ist hier in Santiago mit allen Verkehrsmitteln unterwegs; Auto, Motorrad, Fahrrad und Pferd. Im „Club de la Union“ ist jeder Mitglied, der in der Stadt Rang und Namen hat. Heute scheint es dort einen Staatsempfang zu geben. Von der neuen Präsidentin? Jedenfalls fahren unentwegt Autos mit diplomatischem Kennzeichen vor. Gestylte Männer und Frauen und kirchliche Würdenträger werden ins Gebäude gebeten. Die Polizei ist stark präsent, regelt das ganze Hin und Her zwischen den Passanten aber recht locker. Es ist müßig, alle Sehenswürdigkeiten aufzuzählen. Gott sei Dank bietet Santiago zahlreiche Parks mit Springbrunnen für kleine Verschnaufpausen an. Irgendwann legen wir den Reiseführer aus der Hand und lassen uns Richtung Barrio Bellavista, das Künstlerviertel, treiben. Dort steht „La Chascona“, das erste Haus von Pablo Neruda. Danach gibt es im „Galindo“ ein verdientes Abendessen mit großen Steaks.

Die Rückfahrt mit dem Taxi ist dann noch ein ganz spezielles Erlebnis. Der Taxameter läuft so schnell, so schnell kann man gar nicht schauen. Dann dreht der Taxifahrer noch ein paar Extrarunden und das ist dann des Guten zu viel. Er verlangt fast das Dreifache von der morgendlichen Fahrt. Wir geben ihm das gleiche Entgelt, das wir morgens bezahlt haben, er motzt kurz und ist weg. Unser WoMo erwartet uns sicher und wohlbehalten in der Anlage.