Auf nach Santiago (14.12. – 16.12.13)

Heute Morgen hängt der Nebel in den Bergen und tief über dem Meer. Ich hätte meinen Strandspaziergang doch gestern machen sollen.

Wir fahren auf der Küstenstraße weiter, die „Ruta del Mar“ nach Chanco. Viele kleine, bunte Häuser sind das Markenzeichen dieses Ortes. Sie werden allerdings erst so langsam wieder aufgebaut. Die Schäden des Erdbebens und Tsunamis von 2010 sind noch nicht alle behoben. Auf den Feldern werden Erdbeeren gepflückt, um sie am Straßenstand zu verkaufen, und mit dem Pferdegespann der Boden gepflügt. Im morgendlichen Dunst ein idyllisches Bild. Das „andere“ Chile nimmt in Form von Holzverarbeitungswerken und großen Holzlastern immer mehr zu. Wir erreichen Constitución und unser WoMo erhält als Weihnachtsgeschenk einen neuen Reifen. Auch in dieser Stadt wird an allen Ecken und Enden Aufbauarbeit geleistet, nachdem sie vom Erdbeben zu großen Teilen zerstört worden ist. Aber die Menschen hier sind fleißig. Uns zieht es an den schwarzen Strand. Er wird ständig von hellen Felsformationen unterbrochen, die so bizarr sind, dass sie eigene Namen bekamen. Auf der Weiterfahrt haben wir dann fast die „Dunas de Putú“ übersehen. Sie ziehen sich zwanzig Kilometer am Meer entlang.  Da wir keine Zufahrt finden (Zäune!) betrachten wir sie aus der Ferne. Inzwischen hat sich auch die Sonne wieder durchgesetzt und wir verlassen die Küste entlang des romantischen Río Mataquito, durchqueren kleine schnuckelige Dörfer mit großen Palmen.

Zwischen San Fernando und Santa Cruz liegt die Ruta del Vino. Wir wollen eine Weinprobe machen und danach irgendwo gemütlich übernachten. Aber wir finden das Tal nur enttäuschend langweilig.

Santiago oder Pazifik? Wir entscheiden uns für das Meer und das ist gut so. Denn heute wird ein neues chilenisches Oberhaupt gewählt. Schon morgens sind viele Menschen auf den Beinen und die Ortsdurchfahrten sind gesperrt. Wir fahren über Pichilemu nach Punta Lobos ins Surferparadies. Die Wellen sind da nur die Surfer sind wahrscheinlich noch beim Wählen. Ein Stückchen weiter, in Cahuil, wird noch auf althergebrachte Weise Salz gewonnen; mit Verdunstungsfeldern in einer Lagune.

Über Litueche und den Stausee Lago Rapel fahren wir nach Melipilla. Allerdings wussten wir nicht, wie groß diese Stadt ist, sonst hätten wir vielleicht einen anderen Platz gesucht. Aber vielleicht auch nicht – der Eindruck hinterlässt Spuren.

Es ist Wahlsonntag, 21 Uhr. Ein Autokorso fährt durch die Stadt – Michelle hat die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Der Mann, der unweit von uns unter Decken an der Mauer schläft, fängt an zu schimpfen. Das Hupkonzert hat ihn geweckt.

Hier trifft, wie an vielen anderen Orten auch, arm auf reich. Das Haus auf der anderen Straßenseite ist von hohen Mauern umgeben, das Tor geht per Funk auf. Die Tür daneben hat zwei Vorhängeschlösser, der nächste Torbogen ist zugemauert. Alle Fenster um uns herum sind vergittert. Niedrige Mauerbegrenzungen haben Stacheldraht. Und trotzdem ist die Seitenstraße, in der wir stehen, ganz okay. Die Menschen begegnen uns freundlich und gesprächig. Der Nachbar im Eckhaus beteuert, hier sei es ruhig und sicher. Er muss es wissen, er wohnt hier. Wir glauben ihm und gehen schlafen.

Wir fahren weiter nach Santiago. Nach unserem Reiseführer gibt es im Cajón de Maipó Campingplätze; dort wollen wir unser WoMo sicher abstellen und mit dem Bus in die Hauptstadt fahren. Aber der Autor war wohl schon länger nicht mehr hier. Weder der Canyon (bis San José) noch die zwei Plätze sind einen Ausflug wert. Ohne GPS und Stadtplan (wir sind willig einen zu kaufen, aber wir finden keinen) fahren wir zurück in die Innenstadt. Es soll dort bewachte Parkplätze geben. Aber die wenigen, die wir sehen, haben eine Höhenbegrenzung. Dort kommen wir nicht durch. Nach einer etwas nervigen Rundfahrt durch mehrere Stadtviertel bei absolut chaotischem Verkehr landen wir schließlich in einer ruhigen Nebenstraße im Osten. Es ist spät und trotzdem sind noch viele Menschen unterwegs. So wie eine chilenische Frau, die uns anspricht. Sie wohnt in der Nähe in einem bewachten Komplex und hält unseren Standort nicht für sicher. Sie organisiert für uns dort auf dem Besucherparkplatz einen Stellplatz. Wir nehmen ihr Angebot gern an.