Auf dem Weg zum Pazifik (11.12. – 13.12.13)

Wir sind auf dem Weg nach Chile und kehren dazu auf die Ruta 40 zurück. In Serpentinen zieht sich die Straße auf ein Hochplateau – immer in Sichtweite des Vulkans Lanín. Seine schneebedeckte Spitze hat die Form einer Pyramide. Danach wird die Landschaft recht eigenwillig. Zerklüftet, mit einer kurvenreichen Straße, trocken und staubig im Wechsel mit weiten Tälern. In diesen fährt man kilometerlang einfach geradeaus. Ab und zu ein Ortsschild, zu dem ein bis zwei Häuser gehören. Es ist heiß. In Zapala, spätestens in Las Lajas wollen wir unsere Tagestour beenden. Aber wir finden keinen schattigen Platz. Die wenigen Baumgruppen sind von der Straße durch einen Graben und einen Zaun getrennt – Privatbesitz einer Estanzia. Also fahren wir weiter bis zur argentinischen Grenze. Da wir unsere Vorräte noch essen wollen und auch keine Lust zum Weiterfahren haben bleiben wir hier. Es ist eine tiefschwarze Nacht mit einem sternenübersäten Himmel. Am Berg gegenüber stehen die Araukarien ganz oben auf der Kuppe wie Wächter.

Am nächsten Tag gibt es dann beim Grenzübergang wieder einige nette Gespräche. Die argentinische Grenzbeamtin legt eine kurze Zigarettenpause ein, um sich mit uns zu unterhalten. Am chilenischen Zoll kommen gleich drei Beamte zum „kontrollieren“. Sie wollen ein bisschen reden und ins WoMo schauen.

Hinter der Grenze grüßen uns dann die Gipfel der schneebedeckten Vulkane. Sie sind hier um die dreitausend Meter hoch. Nach kurzer Fahrt erreichen wir das Tal des Río BioBío. Saftig grüne Wiesen und Felder bieten einen idyllischen Anblick. Alles wirkt so ordentlich und aufgeräumt. Der Río BioBío selbst hat hier in Chile schon für große Aufregung gesorgt als er ohne Rücksicht auf Natur und Bewohner aufgestaut wurde. Er ist einer der wasserreichsten Flüsse Chiles.

Kurz vor Curacautin besichtigen wir den „Salto del Indio“, einen Wasserfall mitten im Urwald. Der Weg dorthin ist genauso spannend wie der Wasserfall selbst. Nachdem unser Kühlschrank leer ist, benötigen wir einen Verpflegungsstopp. In Curacautin gibt es einen Supermarkt, in dem wir alles einkaufen können. Fast alles. Wir bekommen dort kein Bier! Die Kassiererin nimmt unsere Bierflaschen vom Band und trägt sie zurück ins Regal. Im ersten Moment fühlt man sich wie ein nicht volljähriger Teenager, der beim heimlichen Alkoholeinkauf ertappt wird. Dabei haben wir nur keine Pfandflaschen, die wir eintauschen können. Wir fragen uns, wie ein Mensch hier an seine erste Bierflasche gekommen ist.

In Victoria erreichen wir die Panamerikana. Auf dieser geht es weiter nach Norden, Richtung Santiago. Die Straße ist vierspurig, ähnlich unseren Autobahnen. Allerdings kann es passieren, dass auf dem Standstreifen Radfahrer entgegen kommen oder ein Pferdefuhrwerk überholt wird. Auf beiden Seiten der Straße reihen sich kleine Verkaufsstände und Lokale aneinander. Es gibt Honig, Erdbeeren und Käse, und die guten Lokale erkennt man an den zahlreich parkenden Lastwagen.

Unterwegs nehmen wir die Abzweigung zum „Salto del Laja“, dem größten Wasserfall Chiles. Das Wasser stürzt hier fünfzig Meter in die Tiefe und bei gutem Wasserstand ist der Wasserfall hundert Meter breit. Im Moment ist es nicht ganz so üppig aber doch beeindruckend. Schön ist auch, dass es keinen Eintritt kostet und die Menschen dort baden können. Es ist ein Ausflugsziel für alle Chilenen.

Die nächste größere Stadt ist Chillán, lebendig und quirlig. Dort besuchen wir die Markthalle. Hier geht es laut und bunt zu. Alles, was die Landwirtschaft zu bieten hat, wird verkauft. Einige Lebensmittel kenne ich weder vom Namen noch vom Aussehen.

Bis Parral fahren wir auf der PanAm weiter und biegen dann Richtung Pazifik ab. Die Landstraße führt durch Felder, auf denen die unterschiedlichsten Produkte wachsen. Aber alles gut bewässert und gepflegt. Die flachen Häuser haben blühende Vorgärten und kleine Beete. Im Moment kann man sich nicht vorstellen, den Pazifik nach wenigen Kilometern auch nur zu sehen. Aber es geht nur noch einmal kurz über einen Berg und wir sind am Meer.

In einer Bucht der kleinen Küstenstadt Pelluhue, mit schwarzem Sand und einer starken Brandung, bleiben wir. Die Luft riecht nach Fisch und ich grabe meine Füße tief in den feinen weichen Sand.