Esquel und Umgebung (02.12. – 06.12.13)

Cerro Castillo ist ein Ort mit wenigen Einwohnern und vielen Hunden. Morgens liegt mal wieder einer neben unserem WoMo, als hätte er uns bewacht. Und wie überall in Argentinien hat auch dieses Dorf eine große Plaza; diesmal mit einem holzgeschnitzten Gaucho. Obwohl es bereits Sommer ist hat es in der Nacht ein paar Flöckchen geschneit.

Wir fahren nach Norden, einem Flusslauf folgend. Immer wieder kündigen Schilder den Wildwechsel des Huemuls an. Aber gesehen haben wir ihn immer noch nicht. Ich glaube, der Andenhirsch ist genauso ein Fabeltier wie der Yeti. Die Umgebung ist eine Form gepflegter Wildnis. Bis zur chilenischen Grenze bei Balmaceda genießen wir die Fahrt. Lange haben wir überlegt, ob wir der Carretera Austral in Chile weiter folgen sollen. Landschaftlich wäre das bestimmt interessant. Für den Moment haben wir allerdings vom Fahren auf Schotterstraßen die Nase voll. Es gibt auch so noch genug für uns zu entdecken. Wir haben uns also für diesen Grenzübergang entschieden und es an diesem Tag aber einige Male bereut. Die Formalitäten selbst waren problemlos. Auf der argentinischen Seite treffen wir auf einen Grenzbeamten, der uns ganz stolz seine Sammlung Euromünzen zeigt. Wir ergänzen seine Kollektion mit deutschen Münzen und der junge Mann freut sich wie ein Kind. Hier, an diesem kleinen Grenzübergang, kommen vermutlich nicht viele Europäer vorbei. Diese Freude bewahren wir in unseren Herzen, denn der Rest des Tages strapaziert unsere Geduld mal wieder erheblich. Die Straße ist so holprig, dass wir für hundert Kilometer fünf Stunden benötigen. Und die Gegend ist nicht sehr abwechslungsreich.  Das sehen wir aber nicht immer, denn manchmal überholt uns unsere eigene Staubwolke und hüllt uns ein.

Aber irgendwann erreichen wir unser heutiges Ziel, Río Mayo. Dort gibt es an der Tankstelle mal wieder keinen Dieselkraftstoff – heute. Wir füllen unsere Vorräte wieder auf (Grenzübergang!) und planen den nächsten Tag.

Der bringt uns zunächst einmal mehrere Baustellen und auf der Teerstraße dann den unausweichlichen Wind. In Gobernador Costa, einem nicht wirklich schönen Ort,  legen wir dann den nächsten Stopp ein. Es gibt nichts zu besichtigen, dadurch rücken die Menschen wieder etwas mehr ins Blickfeld. Sie haben hier einen sehr viel stärkeren indigenen Einschlag als im Süden. Und wir haben Zeit sie zu beobachten.

Unser nächstes Ziel ist Esquel. Je länger wir fahren, umso grüner und hügeliger wird es. Im Tal des Río Tecka haben sich kleine Weiher und Tümpel gebildet, an denen sich Flamingos sammeln. Die tief hängenden Wolken und die Sonne streiten sich den ganzen Tag um die Vorherrschaft. In Esquel, einer Stadt mit 40000 Einwohnern und touristischen Ambitionen, sind nur die wenigen Hauptdurchgangsstraßen geteert. Sehr erstaunlich für uns. Wir gönnen uns einen Campingplatz und starten eine Großreinigung – für uns und das WoMo.

Ein Ziel hier in der Umgebung ist der Nationalpark Los Alerces. Wir sind auf der Suche nach den alten, dicken, großen Bäumen. Die ganz alten finden wir auf unserer Wanderung nicht. Dazu hätten wir am Vormittag ein Schiff nehmen müssen, um in dieses ganz spezielle Areal zu fahren. Aber die Frau an der Info im Parkbüro ist wenig hilfreich und nicht sehr auskunftsfreudig. So bleibt es bei einer Tour über eine Hängebrücke auf eine Insel zu einem „nur“ 300 Jahre alten „bosque de lahuán o alerce“, dieser speziellen Kiefer, die hier im Nationalpark geschützt wird. Sie wächst in zwanzig Jahren nur einen Zentimeter.

Wir fahren weiter nach Trevelin, einer von Walisern gegründeten Stadt. Trevelin ist eine dieser kuscheligen Kleinstädte, in denen man von fremden Menschen an der Tankstelle angesprochen wird. Das sind immer wieder nette Begegnungen. Hier übernachten wir auf einer Art Blumenwiese, die von einem Feldweg umgeben ist. Als wir am nächsten Tag aufwachen fährt schon ein Schaufellader um uns herum. Er packt Erde dick auf diesen Weg – unsere Ausfahrt! Wir starten sofort, ohne Frühstück, um nicht später in der tiefen Erde stecken zu bleiben. So schön ist Trevelin nun auch wieder nicht.

Die Fahrt nach El Bolsón, unserem nächsten Ziel, beschert uns einen wundervollen Tag. Grüne Weiden, mit Flüssen durchzogen, Wälder, rotblühende Gräser zwischen gelben Blumen und wilde Rosen. Und ringsherum Berge mit Schneehäubchen. Wie einige Male zuvor treffen wir auch hier auf Radfahrer mit fetten Gepäcktaschen. Sie haben meine volle Bewunderung; bei diesen Entfernungen und dem Wind.

Wir erreichen El Bolsón mittags und genießen erst einmal die Stadt auf einem Rundgang und einem großen Eisbecher. Es herrschen sommerliche Temperaturen. Am Abend haben auf unserem Stellplatz dann Trommelmusik und Gesang frei Haus – vom Kulturzentrum gegenüber.

Es ist Samstag und Kunsthandwerksmarkt in El Bolsón. Das Angebot ist vielfältig, aber einen Großteil nehmen handgefertigte Holz-, Schmuck- und Kleidungsstücke ein. Man fühlt sich in die 70er-Jahre zurückversetzt, weil auch die Standinhaber teilweise echte Hippietypen sind. Ich könnte den ganzen Tag hier verbringen. Die Atmosphäre ist locker und gegen den kleinen Hunger gibt es genug Stände mit argentinischen Köstlichkeiten.