Fitz Roy

Ein sonniger Tag begrüßt uns an der Lagune und so starten wir gleich nach El Chaltén zum Nationalpark Fitz Roy. Die Landschaft unterwegs ist nicht uninteressant und wir nähern uns dem Lago Viedma mit seinem grünen Wasser. Aus der Ferne können wir schon die Gletscher und Berge des Fitz Roy Massivs erkennen. Entlang des Sees reiht sich eine Estanzia an die andere und am Straßenrand sind aus Steinen Figuren gebaut. Sehr bald zeigen sich auch die typischen Granitnadeln des Bergmassivs. Am Ortseingang ist eine Station der Parkverwaltung. Ich kämpfe mich durch den Wind ins Gebäude, wo uns ein netter Ranger mit den Worten begrüßt: „Sie sind glückliche Menschen. Aus 100 km Entfernung sehen sie die Berge wolkenfrei und es ist fast windstill.“ Windstill? Alles eine Frage der Betrachtung. Hier beginnt mittlerer Wind erst bei 70 – 80 km/h.                                                                                  Wir beschließen, diesen tollen Tag sofort für eine Wanderung Richtung Laguna Torre zu nutzen. Und es ist ein herrlicher Weg. Die Granitspitzen der Cerrogruppe zeigen sich am Aussichtspunkt unverhüllt und wir genießen den Anblick, insbesondere des Cerro Torre. Über die Besteigung dieses Berges habe ich einige Geschichten gelesen; alle waren ziemlich dramatisch.                      Der nächste Tag ist dem Cerro Fitz Roy gewidmet. Auf dem Weg zur Laguna Capri begegnet uns ein ziemlich gemischtes Publikum. Ein paar Luis-Trenker-Typen, junge Pärchen mit ziemlich schweren Rucksäcken für mehrtägige Wanderungen, eine Gruppe junger Leute mit Rangern. Sie machen unterwegs Dehnungsübungen und einen Sitzkreis. Azubis? Oder sind sie auf der Suche nach dem Huemul, dem fast ausgestorbenen Andenhirsch? Es ist ein gelungener Tag und dieser Nationalpark (kostenlos!) ist im Moment mein Favorit. Am Abend zeigt dann der patagonische Himmel noch sein imposantes Wolkenspiel. Wie schade, dass ich zu wenig Geographin bin, um mir das alles hier besser erklären zu können (googlen geht hier nicht; kein Handy, kein Internet; Natur pur).                                                                      Am nächsten Tag werden wir noch einmal mit einem Bilderbuchpanorama verabschiedet. Wir fahren zurück auf die Ruta 40. Neben der Fahrbahn blühen die Büsche gelb, dazwischen gibt es lila, weiße und rostrote Kleckse. Eine phantastische Artenvielfalt auf dieser graubraunen Erde. Man kann ganz entspannt seinen Gedanken nachhängen. Die Highlights haben sich in den letzten Tagen und Wochen nur so gejagt. Da wirkt die patagonische Ebene wie eine Meditation.                                                                                     Bis wir Tres Lagos und die Ruta 40 erreichen. Hier beginnt die ungeteerte „gravel road“ und unser WoMo leidet trotz der geringen Geschwindigkeit. Wir üben uns wieder einmal in Geduld und erreichen Gobernador Gregores. Ein nettes kleines Städtchen mit Tankstelle, Einkaufsmöglichkeiten und freundlichen Menschen. Im Supermarkt gibt es Weihnachtskugeln und die Kassiererin trägt eine rote Nikolausmütze. Das alles wirkt auf uns völlig fremd, da wir in den Sommer hinein fahren. Wir kaufen neues Klebeband, leihen uns eine Leiter und stabilisieren unser Badfenster. Die Wetterprognosen sind, was den Wind betrifft, schlecht.