Glaciar Perito Moreno

Nur noch ein paar Kilometer und wir sind zurück auf der Teerstraße. Dann geht es über die Grenze nach Argentinien. Wir fahren wieder durch braunes Land. Und auch der Zaun auf beiden Seiten der Straße ist eine Konstante. Manchmal hat man das Gefühl ganz Argentinien ist eingezäunt. Die einzige Abwechslung sind die schneebedeckten Berge in der Ferne. Und dann tauchen die Gletscher des Nationalparks auf. Wie eine falsche Kulisse in einem Theaterstück. Auf einer Bergkuppe halten wir an und erschrecken fast. Fünf Kondore kreisen direkt über uns; zum Greifen nah. Und dahinter im Tal glitzert in unendlich vielen Grüntönen der Lago Argentino, der größte See Argentiniens. Kurz darauf erreichen wir El Calafate. Am nächsten Tag geht es in den Los Glaciares National Park zum Perito Moreno Gletscher. Wir haben in der Nähe übernachtet und sind die ersten am Parkeingang. Die Straße zum Gletscher führt an einem Seitenarm des Lago Argentino entlang und ist gesäumt von Notrobäumen (Feuerbusch) mit seinen flammendroten Blüten. Auf halber Strecke taucht dann der Gletscher zum ersten Mal auf.                                                            Absolut beeindruckend ist aber der erste Blick von oben. Es erinnert an ein Nadelkissen. Eissäulen dicht an dicht in weiß bis dunkelblau, keine glatte Fläche. Mit Spalten, Rissen und Überhängen. Die Aussichtsplattformen führen ganz nah an die Gletscherwand heran. Es ist früh am Morgen und wir sind fast allein hier. Und können der Musik des Gletschers lauschen. Im Innern knistert es, wenn die Eismassen sich verschieben. Außen knallt es, wenn große Eisbrocken abbrechen und in den Lago Argentino stürzen. Sechzig Meter erhebt sich hier die Gletscherzunge aus dem See, über eine Breite von vier Kilometer. Und das ganze nur eine gefühlte Armlänge entfernt. Es ist beeindruckend. Zurück in El Calafate wollen wir noch eine Runde in der Laguna Nimes drehen. Als Tourist darf ich das aber nur, wenn ich Eintritt bezahle. Etwas enttäuscht lassen wir es bleiben. Warum muss jedes Stückchen Natur eingezäunt und jede Ente vermarktet werden?