Torres del Paine

Wir brechen auf nach Puerto Natales am Seno Ultima Esperanza (Sund der letzten Hoffnung –  auch so ein Seemannsname). Aber wir haben Punta Arenas kaum verlassen fliegt uns das Dachfenster vom Bad davon. Gott sei Dank haben wir es wiedergefunden, oben festgeklebt und innen angebunden. Die nächste Hymer-Fachwerkstatt ist leider nicht um die Ecke. Wir fahren erst einmal weiter. Es windet stark, Himmel und Landschaft sind grau und ereignislos. Man kann sich nicht vorstellen, dass ganz in der Nähe der schönste Nationalpark Chiles sein soll. In Puerto Natales fängt es dann auch noch an zu regnen – ein erster Test für unser repariertes Dachfenster.

Es ist unglaublich. Wir schlagen die Augen auf und sehen Berge. Schneebedeckte Berge rundherum wo gestern nur graue Suppe war. Und Sonne am wolkenlosen Himmel. Wir starten zum Nationalpark Torres del Paine. Und bereits die Hinfahrt ist ein Genuss. Ständig tauchen neue Bergformationen und weiße Gipfel auf. Dann sind von weitem auch schon die Torres, die namengebenden Granittürme zu sehen. Den ersten Halt legen wir am Lago Sarmiento ein. Tiefblaues Wasser vor schneebedeckten Bergen. Weiter geht es an der grünen Laguna Amarga vorbei, begleitet von zahlreichen Guanakoherden und einigen Nandus. Die Tiere haben die Erfahrung gemacht, dass sie hier nur den Puma fürchten müssen. Sie bewegen sich gemütlich über die Straße oder fressen ruhig am Straßenrand. Menschen und Autos erschrecken sie nicht. Die Fahrbahn lässt auch keine größeren Geschwindigkeiten zu. Zumindest unsere ist zum Blumenpflücken. Dafür entgeht uns auch nichts. Nach dem Parkeingang wird es hügelig und kurvig. Wir halten oft an, um während einer kurzen Wanderung das Zusammenspiel von Seen, Flüssen und Gipfeln zu genießen. Besonders  eindrucksvoll sind der Lago Pehoé und der Río Paine vor den Cuernos del Paine, den „Hörnchen“. Diese sind auch eine geologische Besonderheit. Am Río Serrano, dem südlichen Ende des Parks, lassen wir diesen Traumtag ausklingen.

Und dass ein sonniger, wolkenfreier Himmel, der uns diese Farbenpracht und Sicht beschert hat, hier eher die Ausnahme ist, merken wir in den nächsten Tagen. Wir fahren zum Lago Grey, einem der vielen Gletscherseen im Park. Sobald man den See erblickt, sieht man auch schon die blauen Eisberge schwimmen. Sie treiben bis in Ufernähe und stammen aus der Wand des Grey-Gletschers. Ein krasser Anblick. Wir verlassen den Park  über die Straße am Lago Sarmiento. Dicke, schwarzgraue Wolken lassen ihn diesmal grau statt blau leuchten und geben dem Ganzen eine dramatische Note. Unterwegs haben wir abwechselnd Schlaglöchern, Kies und vor allem Waschbrettfahrbahn. Uns kommt eine Gruppe Motorradfahrer entgegen. Die Hälfte davon steht auf ihren Maschinen. Ob ihr Sitzfleisch den Straßenbelag  nicht mehr ertragen hat? Und zum Abschluss des Tages sehen wir unseren ersten Kondor fliegen. Dicht über unseren Köpfen segelt er mit seinen mächtigen Schwingen auf den See hinaus und schraubt sich dort in die Höhe.