Punta Arenas

Unser WoMo erwartet uns in Ushuaia. Wir fahren gleich weiter, über Rio Grande zurück nach San Sebastian an die chilenische Grenze. Der Grenzbeamte kennt mehr Fussballspieler von Bayern München als wir und zählt sie alle auf. Danach haben wir freie Fahrt. Die patagonische Steppe hat uns wieder. Mit schönen, großen Estanzias und einer kilometerweiten Sicht ins Land. Schafe, Guanakos und, sobald ein kleiner See in Sicht ist, auch Flamingos. Kurz hinter Onaisín hat sich eine kleine Kolonie von Königspinguinen in einer Bucht niedergelassen; die einzige auf dem südamerikanischen Kontinent. Eigentlich gehören sie in die Antarktis. Vielleicht war es ihnen dort zu kalt? Sie sind wunderschön anzuschauen. Bis nach Porvenir führt eine Naturstraße direkt an der Bahía Inútil entlang. Sie hat ihren Namen, nutzlose Bucht, von den Seefahrern, die auf der Suche nach der Ost-West-Passage in jede Bucht tief hineinfahren mussten; und hier wurden sie nicht fündig. Es ist eine einsame Gegend. Aber landschaftlich interessant. Ein ständiger Wechsel zwischen Allgäu-Idylle und tiefen Schluchten, durch die sich die Straße kurvenreich windet. Von Porvenir aus wollen wir die Fähre über die Magellanstraße nach Punta Arenas nehmen. Aber hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Und es ist Wochenende. Der Geldautomat spuckt keine Scheine aus, Wechselstube und Kiosk für die Tickets haben geschlossen. Nur die Kirche ist am Sonntag geöffnet. Aber ein bisschen Glück haben wir. Direkt an der Fähre können wir zwar nicht mit Kreditkarte aber mit US-Dollar bezahlen und die Magellanstraße zeigt sich von ihrer besten Seite – ruhig und verschlafen. Nach zweieinhalb Stunden haben wir Punta Arenas erreicht. Und müssen uns warm anziehen. Hier herrscht echtes Patagonienwetter – alle vier Jahreszeiten an einem Tag.

Punta Arenas soll die schönste Stadt Patagoniens sein. Die Lage an der Magellanstraße mit einer 8 km langen Uferpromenade beeindruckt schon einmal. Auf unserer Stadtbesichtigung begegnen wir dann der Statue von Magellan. Ihm zu Füßen sitzen zwei Indianer, sie symbolisieren die ausgerotteten Stämme. Und wenn man den großen Zeh eines Indianders küsst, kehrt man nach Patagonien zurück. Er ist schon ganz blank. Die ehemaligen Residenzen und Paläste (heute teilweise Museen oder Hotels) spiegeln die Geschichte Punta Arenas wider. Interessant ist auch der Friedhof. Hier haben die Schafbarone früher ihren Toten imposante Denkmäler gesetzt.