Tierra del Fuego Nationalpark

Bevor wir unser nächstes Abenteuer mit dem Schiff starten verbringen wir erst noch ein paar Tage im Nationalpark Tierra del Fuego. Mit typischem Ushuaia-Wetter. Am ersten Tag fängt es in der Nacht an zu schneien und am nächsten Morgen ist alles weiß gepudert. Das hält die Feuerländer allerdings nicht davon ab, ihrem sonntäglichen Vergnügen nachzugehen: Holz sammeln und im Park an einer der vielen Grillstellen Feuer entfachen für die Riesensteaks. Und das teilweise im kurzärmligen T-Shirt, während ich im WoMo gut eingepackt sitze. Gegen diesen Menschenschlag hier bin ich ein echter Warmduscher.

Wir ziehen, gegen Wind und Kälte entsprechend gewappnet, los und erwandern diese wilde, ursprüngliche Gegend. Unser Weg führt uns durch Wälder mit den für Feuerland typischen Bäumen und Pflanzen, an Lagunen und einem Torfmoor vorbei. Allgegenwärtig sind die Spuren des Bibers. Ein Damm, eine Biberburg, kleine Seen mit abfaulenden Bäumen sind Zeichen für seine Anwesenheit. Auf engstem Raum,  und immer in Sichtweite der schneebedeckten Gipfel, erleben wir eine vielfältige Landschaft. Diese Einzigartigkeit, Berge mit ewigem Eis, Meer und Wald so dicht beieinander, wird mir erst später richtig bewusst.

Eine Wanderung führt zum Hito XXIV, dem Grenzstein Nummer 24 zwischen Argentinien und Chile. Der Weg beginnt am Lago Roca, der an diesem Tag seine Wellen wildbewegt ans Ufer wirft. Immer in der Nähe des Ufers führt er durch einen richtigen Abenteuerwald. Die umgestürzten Bäume und abgefallenen Äste liegen kreuz und quer durcheinander. Es sieht fast so aus, als würde ein Riese Mikado spielen. Im Wind ächzen und stöhnen die Baumkronen und wenn die Stämme aneinander reiben entsteht ein quietschender Gesang. Ein bisschen unheimlich. Aber das sind nur die freundlichen Geister, die in den Wipfeln sitzen und uns gute Wünsche mit auf den Weg geben. Nach dem letzten Schneefall sind ein paar ungeplante Bachüberquerungen nötig und gelegentlich ist es günstig, über die Talente einer Bergziege zu verfügen. Einfach ein herrlicher Weg. Der Grenzstein Nummer 24 dagegen ist nur eine alte, rostige Pyramide und der Grenzverlauf wurde mit Baumstämmen am Boden markiert.

Nach einem kürzeren Marsch auf dem Costera Trail an der Küste kehren wir dem Nationalpark den Rücken und fahren nach Ushuaia zurück.