Der Suedosten von Santa Cruz

Frühmorgens bläst schon ein heftiger Wind. Aber die Tankstelle bekommt Diesel geliefert und so stürzen wir uns in den Kampf mit der Naturgewalt. In San Julián an der Küste gönnen wir uns einen windgeschützten Campingplatz und machen Pläne für die nächsten Tage. Aber Pläne sind hier wie Schall und Rauch; sie lösen sich in Luft auf.

Wir sind unterwegs zum Nationalpark Monte León. Dort kann man, wenn man Glück hat, Pumas sehen. Aber der Nationalpark hat noch geschlossen. Also fahren wir weiter (neuer Plan) nach Río Gallegos. Aber kurz vor Río Gallegos müssen wir wegen starkem Seitenwind und unberechenbaren Böen die Fahrt unterbrechen. Wir fahren sogar die Hinterbeine (Stützen) des WoMo aus, so sehr schüttelt es uns. Seegang schlimmer als auf der Grande Senegal. Um zehn Uhr nachts hat sich der Wind gelegt und wir können die Fahrt fortsetzen.

In Río Gallegos hält uns am nächsten Tag nichts. Wir wollen nach Feuerland und dazu müssen wir ein kurzes Stück durch Chile fahren. Es ist schon verrückt. Ein Argentinier, der von der Provinz Santa Cruz in die Provinz Tierra del Fuega reisen will, muss dafür sein Land verlassen. Und wir natürlich auch. Und wir dürfen nichts an tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln mitnehmen. Also gibt es vor der Grenze erst einmal ein ausgiebiges Mittagessen. Der Grenzübergang ist danach problemlos; Argentinier und Chilenen sitzen hier Seite an Seite in einem Häuschen.

In Punta Delgado nehmen wir die Fähre über die Magellanstraße. Ein besonderer Moment. Auf der anderen Seite sind wir in Tierra del Fuego (schon der Name ist wie Musik), am Ende der Welt, angekommen. Ushuaia ist nicht mehr weit. Die Landschaft ist hügelig, viele Guanakoherden begleiten uns. Und sehr viele Schafe. Es ist herzerfrischend, die Lämmer bei ihrem ausgelassenen Treiben zu beobachten. Ab und zu gibt es einen kleinen Tümpel mit jetzt schon bekannten Vögeln. Daneben Ölfödertürme, große Estanzien und ganz plötzlich der Ausblick auf schneebedeckte Berge.

Und dann wieder einmal eine Schotterstraße. Ein wenig zu heftig für einen unserer Reifen. Er platzt. Der erste Räderwechsel ist angesagt. Kaum haben wir die notwendigen Vorbereitungen dafür getroffen, hält das erste Auto. Vier Chilenen, die auf dem Weg von der Arbeit nach Hause sind, steigen aus, fragen nicht lange, sondern packen sofort mit an. Hilfsbereitschaft wird hier auf der Straße großgeschrieben. Den Rest des Weges nach San Sebastian auf argentinischer Seite legen wir langsam zurück. Das Leben wird entschleunigt – von der Natur und den Straßenverhältnissen. Es ist immer noch gewöhnungsbedürftig.

Die nächste größere Stadt ist Río Grande. Nach kleineren Umwegen finden wir die Werkstatt von George. George spricht englisch und hat einen Ersatzreifen für uns. Und  auch ein paar Tipps und Spezialwerkzeug auf Lager. George ist ein Feuerländer, wie man ihn gern jeden Tag trifft. Gesprächig und interessiert. Er liebt das Angeln. Was im Norden das Reiten, ist hier das Angeln, speziell das Fliegenfischen. Und das Umfeld von Río Grande ist ein Paradies dafür.