Der Nordosten von Santa Cruz

Es geht auf einer etwas holprigen Straße am Antlantik entlang bis Caleta Olivia. Links die bizarr geformte Küste, rechts kleine Ölfördertürme statt Schafen. Wir unternehmen einen Abstecher nach Puerto Deseado. Vorbei an stillgelegten Bahnhöfen erreichen wir den Ort und seinen Nationalpark. Im Jahr 1520 hat hier in der Flussmündung Magellan mit seinen Schiffen nach einem Sturm Zuflucht gesucht. Heute ist der Nationalpark ein Meeresschutzgebiet; für die eigentlichen Attraktionen, die Felsenpinguine und die Delfine, sind wir allerdings zu früh da. Dafür stört es niemanden, dass wir im Park gegenüber der Vogel- und Seelöwenkolonie übernachten. Es ist unglaublich, welch vielstimmiges Geschnatter und Gegrunze uns hier in den Schlaf singt. Ganz entspannt erforschen wir am nächsten Tag die Umgebung. Hafengelände, historischer Bahnhof, Canadones (canyonartige Nebenflusstäler; ich kenne keine Übersetzung) und Höhlen.

Zurück auf der Ruta 3 geht es weiter nach Süden bis zur Abzweigung zum „Monumento Natural Bosques Petrificados“, dem Park mit den versteinerten Bäumen. Wieder einmal Naturstraße pur. Aber es lohnt sich. 10 km vor dem eigentlichen Parkgelände bietet sich uns ein atemberaubendes Panorama. Vor uns tauchen in der Ferne Berge auf, die so eben sind, als ob eine Planierraupe darübergefahren wäre. Und dann bietet sich nach jeder Kurve eine neue Überraschung. Verschiedene Bergformationen in den unterschiedlichsten Farbkombinationen. Da gibt es sandfarbene Hügel mit rosafarbenen und schwefelgelben Rändern, Gesteinsformationen mit allen Schattierungen von dunkelbraun bis tiefrot, schwarze Kegel mit Felsbrocken auf dem Gipfel, die aussehen wie eine kleine Krone. Es ist ein Genuss für die Augen. Der Grund, warum wir hier sind, kommt aber erst: die versteinerten Bäume, Vorfahren der Araukarie (Andentanne). Im Park gibt es einen Rundwanderweg, der an den prächtigsten Exemplaren, vorbeiführt. Ich schließe die Augen und stelle mir das Tal mit vielen saftig grünen, ungefähr 40m hohen Bäumen vor. Dann hat Vulkanasche sie bedeckt; im „Laufe der Jahre“ versteinerten sie und wurden durch Erosion wieder freigelegt. Zeugen der Vergangenheit.

Zurück auf der Ruta 3 steuern wir die nächste Tankstelle an. Unser WoMo braucht „Stoff“. Aber es gibt keinen Diesel mehr! Wir könnten es mit unserem Reservekanister bis zur nächsten Tankstelle nach San Julián schaffen. Wenn nichts dazwischen kommt – aber wer weiß das hier schon. Also bleiben wir erst einmal über Nacht.