Unterwegs in der Provinz Chubut

In Puerto Madryn fahren wir zum abseits liegenden Strand Playa Paraná. Wir beobachten die Angler und die halsbrecherischen Fahrten der Motocross- und Quadfahrer in den Dünen. In Ufernähe liegt ein altes Schiffswrack, von dem bei zunehmender Flut immer weniger zu sehen ist.                                                                                                                       Am Río Chubut liegt Trelew, eine von walisischen Einwanderern am 20. Oktober 1886 gegründete Stadt. Eigentlich gilt mein Interesse hier nicht den Walisern; aber morgen ist der 20. Oktober, und wenn ich schon einmal hier bin … Ich stelle mir ein großes Fest mit Musik, Tanz und Marktständen vor. Als wir dort ankommen haben wir mäßige 8°C und bis auf die Teilnehmer eines Stadtlaufs sind die Straßen wie leergefegt.                                     Im (walisischen) Nachbarort Gaiman bleiben wir über Nacht. Der Campingplatz ist sehr rustikal, aber die heißen Duschen überzeugen uns. Hier können wir auf einem Stadtrundgang auch ein Stück weit die Geschichte der walisischen Besiedlung nachvollziehen. Zurück in Trelew legen wir einen „Waschtag“ ein (jetzt wissen wir ja, wie es geht) und besuchen in der Zwischenzeit das Museum mit den Dinosauriern. Wundervoll. Endstation des Tages ist Playa Union, eine kleine Stadt am Atlantik. Was erinnert mich später an diesen Ort? Ein wunderbarer Platz am Strand und eine Strandpromenade mit zahlreichen Schildern. Allerdings beginnt der Text auf jedem zweiten Schild mit „es prohibida…“ (es ist verboten). Willkommensgrüße sind das nicht.                                Camarones und das Capo dos Bahías. Um es vorweg zu nehmen: wer in Valdés war muss hier nicht hin. Zumindest nicht in der Vorsaison. Camarones ist wie ausgestorben. Die Straße zum Capo dos Bahías, ein Naturschutzgebiet, ist auch für unser Auto in Ordnung. Am Parkeingang (erst einmal bezahlen) gibt es allerdings keinerlei hilfreiche Information über die Sehenswürdigkeiten und schon gar nicht über den Zustand der Straßen. Sehenswert ist auf jeden Fall die Pinguinkolonie, deren Areal aussieht wie schweizer Käse. Die Pinguine haben ihre Höhlen in den Boden gegraben. Eine neben der anderen. Sie sitzen davor oder brüten ihre Eier aus. In dichter Nachbarschaft mit den Guanakos. Eine erstaunliche Gemeinschaft.                                                                                                           Die Straße zum nächsten Aussichtspunkt kann man dann allerdings nicht mehr als solche bezeichnen. Wir fahren auch nicht wirklich, sondern umkreisen voll konzentriert tiefe Schlaglöcher, manövrieren das WoMo über Quer- und Längsfurchen, groben Schotter und Gesteinsbrocken. Immer darauf bedacht, nicht aufzusetzen (lässt sich nicht ganz vermeiden) oder in zu große Schräglage zu kommen. Kein Vergnügen. Da am Aussichtspunkt jegliche Information fehlt, können wir die vermutlich vorhandenen geologischen Besonderheiten des Gebietes auch nicht genügend würdigen. Und unsere Gedanken sind auch schon wieder bei der abenteuerlichen Rückfahrt.                                   Die Provinz Chubut endet kurz hinter Comodoro Rivadavia. Die Fahrt dorthin bietet auf der Ruta 3 erst einmal gähnende Langeweile (Zeit zum Spanisch lernen). Dann ergeben sich plötzlich Ausblicke in tiefe Schluchten und auf grüne Hügelketten. Die Straße schlängelt sich bergauf und –ab durch die Landschaft. Comodoro selbst begrüßt uns mit riesigen Sandflächen, braunen Hügeln und Baustellen. Ziemlich trostlos. Und bei der Einfahrt in die Stadt – eine Demonstration. Durch einen Schlenker über die Tankstelle umfahren wir die Absperrung. Beim Hinausfahren klappt es dann weniger gut. Die Demonstranten bilden eine Straßensperre und diesmal stehen wir fast eine Stunde, bevor es weitergeht.