Peninsula Valdes

Kann ein Tag schöner beginnen als mit Sonne und einem freundlichen Mitarbeiter des Besucherzentrums der Península Valdés? Wir starten gut gelaunt, um dieses Weltnaturerbe, die Halbinsel Valdés , zu erforschen.

Ein erster Abstecher führt uns auf einer guten Schotterstraße zur Küste des Golfo San José. Am Strand sehe ich noch vom Auto aus meinen ersten Wal, dann eine Kurve und – wir stecken im Sand fest. Und Sandsurfen beherrscht unser WoMo noch nicht. Ohne fremde Hilfe kommen wir da nicht heraus. Aber die Menschen hier sind hilfsbereit und auf vieles vorbereitet. Ein netter Fischer scheitert zwar mit seinem PS-starken Allradwagen, aber sein Traktor schafft es dann unsere 3,5 Tonnen aus dem Sand zu ziehen. Erleichtert steuern wir Puerto Pirámides an. In gemäßigtem Tempo, denn unterwegs kreuzen Guanakos und Nandus unseren Weg. Auf einer ersten Tour danach können wir die südlichen Glattwale und Seelöwen beobachten. Für die Wale ist allerdings keine Wanderung notwendig. Sie kommen mit der Flut zu uns in die Bucht des Golfo Nuevo. Und es sind viele. In diesen warmen Gewässern ziehen sie geschützt ihre Jungen auf.

Zu einer Inselrundfahrt am nächsten Tag starten wir früh. So können wir in aller Ruhe die See-Elefanten am Punta Norte beobachten. Ich kann mich zwischen hinreißend und hässlich nicht entscheiden. Diese massigen Leiber mit ihren wulstigen Nasen liegen wie Fleischberge am Strand. Leben die überhaupt noch? Dann heben sie plötzlich den Kopf, legen einen dynamischen Sprint von 15 Metern zurück und fallen wieder ins „Koma“.  Faszinierend. Nur Orcas sehen wir heute keine. Entlang der Küste, der Caleta Valdés, haben wir dann eine beeindruckende Begegnung mit den Magellan-Pinguinen. Die ersten, auf die wir treffen, sind keinen halben Meter von uns entfernt. Zum Greifen nah, als hätten sie auf uns gewartet. Andere liegen in ihren Höhlen oder stapfen die Dünen herauf. Unglaublich, dass man das auf diese Art erleben darf.

Auf dem weiteren Weg zum Punta Cantor sehen wir dann unser erstes Gürteltier und einen Mara in freier Wildbahn. Ich bin so überrascht, dass ich ganz vergesse zu fotographieren.

Am Punta Cantor haben die Besitzer der Estanzia Elvira einen wundervollen Rundweg durch Flora und Fauna eingerichtet. Schön gestaltete Informationstafeln erklären die Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt und wie die Ureinwohner sie nutzten. Durch solch geschützte Räume soll dies auch der Nachwelt erhalten werden. Wir sind auch auf diesem Weg fast allein; und wenn wir nicht sprechen hört man die „Stille“ der Natur. Das Rauschen der Brandung, das Röhren der See-Elefanten, das unterschiedliche Zwitschern verschiedener Vögel und man riecht den Duft der Insel – die Insel Valdés riecht für mich nach Zitrone.

Das erste, was ich morgens bei einem Blick aus dem Alkoven sehe sind Wale. Sie tummeln sich in der Bucht, heben ihren großen Kopf mit den kleinen Augen und dem weißen Fleck auf der Stirn, als wollten sie nach uns Menschen Ausschau halten. Die Wasserfontäne schießt aus dem Atemloch, dann folgt der massige schwarze Rücken und – wenn man Glück hat – zeigen sie ihre Schwanzflosse, die Fluke. Sie springen nicht sondern wälzen sich und gleiten wie ein aufgetauchtes U-Boot durchs Wasser. Mit etwas Wehmut verlassen wir die Península Valdés mit einem kurzen Stopp bei der Vogelinsel, die Antoine de Saint-Exupéry durch ihre Form zur „Riesenschlange, die gerade einen Elefanten verdaut“ in „Der kleine Prinz“ inspiriert hat und fahren nach Puerto Madryn.