In Patagonien angekommen

Der Tag beginnt mit einem strahlenden Sonnenaufgang über dem Atlantik – es ist fast kitschig schön. Unsere Fahrt führt uns weiter nach Westen, nach Bahia Blanca. Und kurz darauf zur ersten Lebensmittelkontrolle. Unser Kühlschrank wird inspiziert, aber wir sind vorbereitet. Wir haben alle pflanzlichen und tierischen Lebensmittel verzehrt. Zur Desinfektion der Reifen fahren wir durch eine kleine Pfütze. Ob das reicht? Das nächste Frühstück fällt ein wenig mager aus. Weiter geht es auf der Ruta 3 und nach 100 km kommt die nächste Kontrolle. Kein Problem, denn zum Einkaufen hatten wir noch keine Gelegenheit.

Und dann überqueren wir den Río Negro. Wir sind in Patagonien angekommen. Viedma ist die erste Stadt jenseits des Flusses. Einfach bezaubernd. Und die Menschen hier sind freundlich und entspannt. Das muss am träge dahinfließenden Río Negro liegen. In der Nähe gibt es zwei besondere Orte, einer davon ist El Cóndor. Dort gibt es die größte Papageienkolonie weltweit. 70 000 Papageien nisten in den Felsen der Steilküste. Bei unserer Besichtigung sind wir ganz allein – wir und die fantastisch bunten Vögel. Und ihr „Geschrei“. Je näher man kommt, umso lauter wird es. Ich komme mir vor wie in einem Film von Hitchcock. Der zweite Ort liegt weiter östlich bei La Lobería. Auch ein Ort der Superlative. Im Frühjahr (das haben wir jetzt) sammeln sich hier 6000 Seelöwen, um zum einen ihren Nachwuchs aufzuziehen, zum anderen um ihren „Harem“ zu verteidigen. Am Strand liegen die Tiere dicht an dicht. Ab und zu messen zwei Seelöwen ihre Kräfte. Ob sie kämpfen oder spielen ist nicht so genau auszumachen. Es ist beeindruckend und eine Folter für den Geruchsinn.

Wir übernachten hoch über dem Atlantik auf den Klippen. Ein genialer Platz. Nach Viedma zurückgekehrt füllen wir erst einmal unsere Vorräte auf. Und dabei ereilt uns fast ein Kulturschock: es gibt keine Plastiktüten!!!

Auf unser nächstes Ziel, die Península Valdés freuen wir uns besonders. Wir sind gespannt, ob wir die Glattwale, See-Elefanten und Pinguine (und vielleicht Orcas) in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten können. Die Fahrt dorthin zieht sich allerdings. Die Straße geht teilweise kilometerlang nur geradeaus, ist schmal und bei entgegenkommenden Bussen und Lastern wird unser WoMo ganz schön durchgeschüttelt. Die Weiden und Sojafelder sind verschwunden. Rechts und links der Straße breiten sich endlos weite Flächen mit Büschen und niedrigen Bäumen aus. In einer Vielfalt an Grün- und Brauntönen,  mit gelben Akzenten von blühenden Bäumen, wie nur die Natur sie erfinden kann. Wunderschön; aber wie diese Flächen wirtschaftlich genutzt werden ist nicht ersichtlich.