Estero del Ibera

Beschützt von Gauchito Gil und der Jungfrau von Mercedes treten wir die Fahrt nach Colonia Carlos Pellegrini an der Laguna Iberá an. Unser Reiseführer schreibt, dass von der 120 km langen Zufahrtsstraße 80 km inzwischen geteert sind. Nach guten 30 km machen wir allerdings große Augen. Die Teerstraße endet und geht ohne weitere Information in eine „Naturstraße“ über. Wir diskutieren, ob wir umkehren sollen, denn für diese Art Straße ist unser WoMo nicht gebaut. Aber wir haben noch die Hoffnung, dass es sich bessert. Ein Irrtum. Die Straße wird immer schlechter; aber irgendwann sind wir schon so weit gefahren, dass ein Umkehren auch nicht mehr sinnvoll erscheint. Wie war der Spruch? „Der Weg ist das Ziel.“ Aber dieses Ziel ist eine echte Geduldsprobe mit Stoßgebeten, dass das Auto keinen Schaden nimmt. Die Vorfreude auf die Laguna hat nun viele Stunden Zeit. Einige Stopps unterbrechen zwischendurch die Anspannung. Wir sehen unsere ersten Wasserschweine und jede Menge Vögel. Den Zeltplatz in Pelligrini erreichen wir unbeschadet, aber wir wissen, diesen Weg müssen wir auch wieder zurück. Hoffentlich regnet es nicht.

Wir genießen den Rest des Tages und eine herrlichen Sonnenuntergang an der Laguna. Dort sitzen auch vier argentinische Frauen, die uns ansprechen. Das sind die ersten Frauen (!) in Südamerika, die wir treffen, die etwas englisch sprechen und an einem Gespräch interessiert sind. Bisher waren es nur Männer, jung wie alt, die beim Vorbeifahren die Hand zum Gruß hoben, an der Tankstelle einen small-talk hielten oder mit Freude ihre paar Brocken Englisch auspackten, um sich mit uns auszutauschen und weiter zu helfen. Von diesen vier Argentinierinnen erhalten wir gleich Tipps für unseren Aufenthalt in den Anden. Zum Abschied müssen wir alle ein Geldstück in Richtung zunehmende Mondsichel halten. Auch das soll Glück bringen.

Für den nächsten Tag haben wir eine Bootsfahrt in die Laguna gebucht. Wir können dieses faszinierende Ökosystem aus nächster Nähe beobachten. Seite an Seite sehen wir Wasserschweine, Kaimane und Vögel in allen Größen und Farben. Vor allem den Krokodilen kommen wir mit dem Boot teilweise bis auf einen Meter nahe. Sie liegen faul in der Sonne oder krabbeln behäbig, aber nicht unelegant an Land. Ein Augenaufschlag, ein feines Grinsen – was sie sich wohl denken? Je länger man auf dem Wasser ist, um so mehr taucht man in diese beeindruckende Sumpflandschaft ein.

Am nächsten Morgen starten wir früh. Wir wissen, was auf uns zukommt. Aber diesmal sind wir geduldiger. Wir kennen den Weg.