Paraguay

Wir verlassen Foz de Iguazú und legen auf dem Weg zur Grenze einen Stopp beim zweitgrößten Staudamm der Welt, Itaipu, ein. Auf unserer Informationsfahrt hören wir beeindruckende Zahlen über Größe des Damms und erzeugte Energiemenge. Paraguay bezieht fast seinen gesamten Strom von hier. Über Probleme – Umsiedlung von mehreren tausend Menschen beispielsweise – wird nichts erzählt.

Aus Brasilien sind wir genauso schnell aus- wie eingereist. Ohne Probleme. Vielleicht üben die Brasilianer schon für die Fußballweltmeisterschaft. Die Einreise in Paraguay war erstaunlich. Was hat man (frau) für (eher negative) Vorstellungen von diesem Land im Kopf. An der Grenze war durch die Zeitverschiebung Mittagspause. Und doch fanden wir sofort einen jungen Mann im Zollamt, der sich für uns an mehreren (geschlossenen) Schaltern nach dem zuständigen Bearbeiter durchfragte. Wir haben geduldig dessen Mittagspause abgewartet und dann das heißersehnte Formular für unser WoMo in Empfang genommen. Dann die zahlreichen Kontakte mit der Polizei. In den zwei Tagen hier im Land habe ich mehr Polizisten gesehen als auf der ganzen Reise zuvor. Aber auch die nettesten. Der erste kommt ans Auto und ist einfach nur interessiert an einem Gespräch mit der „alemana“, und versichert, bei Problemen immer ein offenes Ohr zu haben. Bei den zahlreichen Kontrollen im Land werden natürlich auch wir des öfteren angehalten. Aber fast immer sind die Polizisten nur interessiert am woher und wohin oder sie sind neugierig, wie es in unserem WoMo innen aussieht. Dass wir ein eigenes Badezimmer haben, beeindruckt sie sehr.

Eine nette Begegnung haben wir an einer Tankstelle mit zwei Guaranís (argentinischen Ureinwohnern). Sie umkreisen unser Auto und irgendwann beginnen wir eine recht holprige Unterhaltung. Ich versuche zu erklären, dass ich nicht viel spanisch spreche und verstehe. Im Gegenzug erzählen sie, das sie nicht spanisch, sondern in ihrer  Landessprache Guaraní reden. Was wiederum zu Missverständnissen führt, da die Geldeinheit in Paraguay auch Guaraní heißt. Das hätte peinlich werden können. Da aber alle an einem Gespräch interessiert sind ergibt sich eine ziemlich lustige Konversation.

Asuncion, die Hauptstadt Paraguays, ist der Alptraum für jeden Autofahrer. Man hat den Eindruck, jeder fährt wie er will und vor allem die Zweiradfahrer kurven rechts und links um uns herum. A propos Zweiradfahrer. Hier scheint jede(r) ein Mofa, Moped, Roller oder Motorrad zu haben. Damit wird eingekauft, zur Arbeit gefahren oder der Familienausflug durchgeführt. Man glaubt seinen Augen nicht. Da  sitzt die vierköpfige Familie auf einem kleinen Motorrad. An den Füßen Badeschlappen oder Highheels, unterm Arm der Helm oder die Sitzschale fürs Baby. Ein fast schon glücklicher Moment ist der Einkauf in einer deutschen Bäckerei. Unsere Brotvielfalt ist eigentlich das einzige, was wir bis jetzt wirklich vermisst haben. Passend dazu beziehen wir unser Nachtquartier beim Hotel Wesfalia, ein von Deutschstämmigen geführtes Hotel-Restaurant mit Stellplätzen für Wohnmobile. Zum Feierabend gibt es deshalb auch ein zünftiges Erdinger Weissbier.

Wir verlassen Paraguay mit der Fähre. Und das ist nun der erste Wermutstropfen; die Grenzer wollen uns ohne Schmiergeld nicht auf das Fährgelände lassen. Ich würde es ja nicht bezahlen (aus Prinzip, obwohl es uns nicht arm macht), aber es ist Wochenende und wie oft die Fähre fährt wissen wir nicht. Und vielleicht hat der Zollbeamte ja eine große Familie zu ernähren. Es ist Samstag, der 5. Oktober 2013. Wir sind zurück in Argentinien. Unser Ziel ist Ushuaia und dafür haben wir mehr als zwei Monate Zeit.