Stuermischer Empfang

Eigentlich war geplant, bei Sonne und angenehmen Temperaturen die ersten Tage in Montevideo zu verbringen. Das Wohnmobil einrichten, in der Stadt bummeln und Land und Leute genießen. Bei stürmischem Wind und einstelligen Temperaturen ist das nicht ganz so einfach. Wir fahren an der Küste entlang nach Osten. Mit den notwendigsten Dingen versorgt suchen wir uns einen ersten Übernachtungsplatz am Meer. Draußen pfeift der Wind und schaukelt unser neues Zuhause, drinnen funktioniert die Heizung und auch das Glas Rotwein schmeckt. Unsere erste Nacht in Uruguay.                                                                                                                                                              Manche Menschen hier sind schon ein bisschen verrückt. Während ich gerade mal die Nase zur Tür hinausstrecke, joggen sie, fest eingemummt, an der Uferpromenade entlang, als ginge sie Wind und Wetter nichts an.

Wir fahren zurück nach Montevideo, um uns die Stadt anzusehen. Aber der Bummel über die Märkte (es ist Samstag) ist nicht wirklich lustvoll. Es hat zu regnen begonnen und die sehenswerten Gebäude verschwimmen im Grau. Der Leuchtturm, ein Übernachtungsplatz aus den Reiseführern, ist uns nicht sicher genug (ein Einheimischer warnt uns, als wir dort stehen). Am nächsten Platz sind wir während der Nacht von Autos mit verdunkelten Scheiben umgeben. Wen wir da wohl stören? Das Wetter wird immer schlechter. Der Regen macht keine Pause. Deshalb fahren wir weiter gen Westen nach Colonia del Sacramento. Vom Regen in die Traufe sozusagen. Hier schüttet es wie aus Kübeln. Die Straßen und die Wiesen daneben weisen mehr oder weniger große Seen auf. Den „Urus“ scheint das nichts auszumachen.

Colonia ist ein netter kleiner Ort mit einer besonderen Altstadt. Die wollen wir auf alle Fälle sehen. Und inzwischen sind wir auch etwas sturmerprobt. An manch andere Eigenheit hier haben wir uns allerdings noch nicht gewöhnt. Wir haben keine Pesos mehr. Aber das Beschaffen von Geld an den Bankautomaten ist ein besonderes Abenteuer. Unser Stadtbummel führt uns also erst einmal von Automat zu Automat. Wir beobachten die Einheimischen beim Geldabheben. Auch sie haben nur manchmal Erfolg und ansonsten die gleiche Fehlermeldung wie wir. Betätigen wir die falschen Tasten? Hat der Automat kein Geld mehr? Passt unsere Karte nicht? Wir fragen nach, aber keiner kann es uns erklären. Und dann – plötzlich – spukt der Automat Geld. Wir müssen also nicht verhungern. Nun, vielleicht können wir das Rätsel morgen lösen. Wir bleiben noch eine Nacht, um unsere Internetgeschäfte zu tätigen und die Altstadt vielleicht ohne Regen zu erkunden.