Auf dem Weg nach Zárate

Am Nachmittag des 31. August haben wir Santos verlassen. Das war ein Samstag. Am Montag, den 2. September tauchen die Hochhäuser von Punta del Este in Uruguay vor uns auf. Kurz darauf, Montevideo ist noch nicht in Sicht, werfen wir Anker. Wie ungefähr knapp 40 andere Schiffe auch. Wir reihen uns auf einer Art Schiffsparkplatz ein. Die Fahrt nach Zárate, kurz hinter Buenos Aires in Argentinien, dauert ungefähr 18 Stunden und kann nur mit Lotsen befahren werden. Und alle wollen sie dahin. Montevideo liegt so nah vor uns, aber wir haben wohl die Order, erst in Zárate auszuladen.

Also warten wir. Auf die Lotsen? Auf einen freien Platz im Hafen? Oder auf freie Fahrt durch den Rio de la Plata und den Rio Paraná? Keiner weiß es so genau.

Also warten wir. Wir haben Glück mit dem Wetter. Wir können die meiste Zeit auf dem Sonnendeck verbringen, lesen und die Fischerboote beobachten. Oder Tischtennis spielen. Und essen.

Und warten. Der Rotwein ist inzwischen ausgegangen.

Am Samstag, den 7. September kommt die frohe Nachricht: morgen geht es weiter. Am Sonntag, kurz vor 14 Uhr, werden die Anker gelichtet und wir fahren tatsächlich dem Lotsenboot entgegen. Im Dunst erscheint die Skyline von Montevideo. Diesmal steigen zwei Lotsen mit Gepäck zu. Es dauert noch etwas bis wir die richtige Position eingenommen haben, aber dann geht es los (17 Uhr). Wir fahren auf dem Rio de la Plata unserer vorletzten Station entgegen.

Mehr als fünf Tage haben wir mit unserer Fracht in der Warteschleife verbracht. Vor knapp einer Woche haben wir die Andeutungen des Kapitäns für einen seiner Späße gehalten. Nicht dass wir uns gelangweilt hätten; aber wir konnten uns nicht vorstellen, dass Wirtschaft und Handel noch irgendwo so funktioniert.

Rio de la Plata heißt übersetzt Silberfluss. In der Farbe des Wassers spiegelt sich das auf keinen Fall wieder. Aber das sehen wir nicht mehr. Nach einem herrlichen Sonnenuntergang umfängt uns eine sternenklare Nacht. Auf dem Wasser tanzen die blinkenden roten und grünen Lichter, die die extrem schmale Fahrrinne markieren. Am nächsten Morgen sind wir rechtzeitig aufgestanden, um den Sonnenaufgang zu erleben. Wir fahren inzwischen auf dem Rio Paraná und fühlen uns ein bisschen in den Urwald versetzt. Grünbraun schlängelt sich der Fluss durch die Landschaft. Alle paar Meter zweigt ein schmaler Seitenarm ab und verliert sich in den Wäldern. Holzstege und Wochenendhäuschen (mehr oder weniger stabil und gepflegt) säumen den Uferstreifen. Eine kleine Idylle.

Irgendwann tauchen die ersten Brücken und Industrieanlagen auf. Ein Hafen wie in Santos oder Dakar existiert hier aber nicht. Unsere Anlegestelle ist ein riesengroßer Parkplatz mit Autos soweit das Auge reicht. Uns erwartet auch kein geschäftiges Treiben und keine Arbeiter. Hier hat jetzt und heute wohl niemand mit uns gerechnet.

Unsere Planung: zwei bis drei Tage nach Buenos Aires während der Frachter neu bestückt wird. Wir brauchen nur noch Pesos und unsere Pässe.