Antwerpen – Dakar

Wir verlassen den Hafen von Antwerpen und steuern den Ärmelkanal an. Der Zeitplan meint es gut mit mir. Noch habe ich keine sealegs, bin also noch nicht ganz seefest. Aber wenn ich schlafe sind mir die Wellen egal. Für unseren Kapitän gibt es sowieso keine Wellen; er sagt, das Meer atmet.

Sechs Tage sind wir voraussichtlich bis Dakar unterwegs. Langeweile haben wir trotzdem keine. Neben Schlafen, Essen, spanisch Lernen und Reiseführer lesen haben wir fast täglich Programm.

Zuerst erhalten wir eine Führung über die verschiedenen Decks. Dann besuchen wir das „Herz des Schiffes“, den Maschinenraum. Das ist das Reich der Philippinos, die besonders viel Spaß daran haben uns alles zu zeigen – allen voran Chefingenieur Mel.

„Ernst“ wird es dann bei der Notfallübung (Alarm: Feuer in der Küche). Ausgestattet mit Helm, Schwimmweste und dem Sicherheitsanzug unterm Arm begeben wir uns  aufs Deck; dort wird der Löscheinsatz simuliert. Danach geht es ab ins Rettungsboot. Wobei das Boot eher eine enge, stickige Rettungskapsel ist.

An den Kanaren fahren wir relativ dicht vorbei. Das bedeutet zwei Stunden Netz !  Alle Crewmitglieder die keinen Dienst haben sitzen irgendwo an Deck und telefonieren.

22.08.2013: Die Lichter von Dakar tauchen vor uns auf. Bei Vollmond nähern wir uns langsam dem afrikanischen Kontinent. Eine Nacht zum Genießen.

Allerdings warten im Hafen schon die Arbeiter. Das Schiff wird noch in der Nacht be- und entladen. Angesichts der Tagestemperaturen eine sinnvolle Sache.

Am nächsten Tag haben wir drei Stunden Zeit für einen Landgang. Vom Hafen aus kommen wir zu Fuß in ein Viertel, das überall sein könnte und sicher nicht typisch für Dakar ist. Was allerdings ins Auge sticht sind die Menschen. Hochgewachsen und schlank. Die Frauen bewegen sich mit einer stolzen Haltung; viele tragen wunderbar bunte, lange Kleider. Bei den Männern sieht man alles, was irgendwie an Kleidung erinnert. Lange, weite Gewänder, Hosen mit Tunika und extrem spitz zulaufenden Slippern oder Jeans und T-Shirt.

Nachmittags verlassen wir Dakar mit Kurs nach Westen. Unser Ziel ist Santos in Brasilien. In den nächsten sieben Tagen überqueren wir den Atlantik und werden in der Hauptsache Wasser zu Gesicht bekommen. Und vielleicht wieder ein paar Delfine, die uns auch bisher gelegentlich begleitet haben.